Heinrich Klein
Ein eburonisches Heiligtum am Rödelsberg
Ein Versuch die Vergangenheit zu verstehen

Die Wanderungen und Exkursionen in den Badewald und das Gebiet des sogenannten Pohl'schen Aduatukas brachten mehr Verwunderung und Fragen hervor, die auch weiterhin noch eine zeitlang einer genauen Lösung trotzen werden. Abgesehen von der Grundfrage, ob es sich bei den Anlagen am Rödelsberg überhaupt um das gesuchte Aduatuka handelt, welches auch Eschweiler bei Aachen und Tongern in Belgien für sich in Anspruch nehmen, sind viele Einzelfragen in sich schon so verzwickt, daß die Meinungen in ihren Interpretationen weit auseinandergehen.

Nachdem eine Exkursion im Juli 2011 sich mit dem Badewald und den unbekannten Kulturzeugnissen von Eburonen, Kimbern, Teutonen, Römern und Germanen beschäftigte, soll im folgenden untersucht werden, ob es sich im Falle des Rödelsberges und seiner umgebenden Hügel um eine germanische, keltische oder vorkeltische Kalenderanlage gehandelt haben kann.

Kalenderforschung in der Eifel - Kurzskizzierung

Etwa im Jahre 2000 wurde im Zusammenhang mit dem Ringwall im Hardtwald bei Euskirchen-Kreuzweingarten festgestellt, daß dieser offenbar zu Kalenderzwecken erbaut wurde und im Zusammenspiel mit mehreren kleinen Ringwällen oder Kultstätten der Umgebung im Mittelpunkt von solaren Betrachtungen stand. Hiervon zeugten nicht nur vorrömische oder römische Stätten, sondern auch germanische Flurbezeichnungen wie Pohlenberg, Lichtenberg und Engelberg. Ein weiterer Kalender wurde bei Odesheim in der Mutscheid gefunden. Hier waren es allerdings Ortsnamen mit Deutungen alter germanischer Gottheiten wie Odesheim (Odinsheim) oder Hilterscheid (Hilde, die mit Odin auf die Wilde Jagd geht). Im Falle eines ostfriesischen Warfendorfkalenders tauchten Namen wie Woquard (Wodins Warte), Visquard (Freyas Warte), Rysum (Riesenheim), Freepsum (Freyas Heim) oder Loquard (Lokis Warte) auf. Wichtig bei allen Kalendern waren die Ausrichtungen zweier Hauptstandorte und deren Deklination bei etwa 58 Grad für den Beginn des keltischen Sommers; d. h., steht man am Standort A, so geht am 15. Mai bei 58 Grad über Standort B die Sonne auf. Mit dieser Grundkalenderbetrachtung, die angelsächsischen oder älteren englisch-keltischen bzw. vorkeltischen Ursprungs zu sein scheint und aufgrund der günstigeren Klimabedingungen ursprünglich dort am 1. Mai stattfand, begann der bäuerliche vorzeitliche Kalender sein Sommerhalbjahr. Außer diesen beiden Stichtagen 1.5. und 15.5. waren für bäuerliche Zwecke weiterhin für unsere Region wichtig: 1.11. Halloween (Allerheiligen) bzw. 11.11. Martinstag (Zinstag). 22.6. Sommersonnenwende und 22.12. Wintersonnenwende nehmen ihren Platz als kultische und solare Ereignisse ein. Hinzuzufügen ist noch, daß aufgrund der julianischer Kalenderkorrektur und kleinen Klimaschwankungen mitunter für bestimmte Gegenden Deutschlands andere Tage gelten, dies sind die bekannten Eisheiligen: 11. Mai = Mamertus, 12. Mai = Pankratius, 13. Mai = Servatius, 14. Mai = Bonifatius und 15. Mai Sophie.

Merkmale am Rödelsberg

Da die Menschen der Vorzeit auf regionale Gegebenheiten und vorhandene günstig gelegene Hügel zurückgreifen mußten, weisen manche kleineren regionale Kalender oftmals Lücken fehlender Nebenlinien auf, eben weil keine Standorte vorhanden sind; d.h. oftmals sind bestimmte Kalenderereignisse überhaupt nicht ablesbar oder man ist auf einen dritten Ort angewiesen, von dem man die betreffende Sonnenbeobachtung machen kann. So auch am Rödelsbergkalender, dessen Erforschung erst im Juli 2011 begonnen wurde. Im Folgenden die Untersuchungen, die erbringen sollen, welche Merkmale in der weiteren Umgebung des Castellum Aduatuka darauf hinweisen, daß dort ein vorzeitlicher Kalender vorhanden war.


Abb. 1 - Lage des Castellum Aduatuka nach Pfarrer Andreas Pohl. Die rote Markierung kennzeichnet das Untersuchungsgebiet. Gut sichtbar die Umwallung, die zu ¾ als Kreis geführt ist. Der Wall endet im Norden in einem System von weiteren Wällen und Wallgräben, die als durchwühlte Erde auf der Suche nach Oberflächenerz oder als verzweigte Hohlwege gedeutet werden können.

Keine willkürlich gewählten Standorte

Die beiden höchsten Erhöhungen des Rödelsberges liegen auf Kuppen etwa auf der Höhenlinie von 350 - 360 m. Der topografisch höchste Punkt wird mit 362,5 m genannt. Die Kuppe im Nordwesten des Rödelsberges liegt etwas über 355 müNN (Meter über Normalnull).


Abb. 2 - Beide Kuppen sind in einer Kalenderbetrachtung von einem Standort bei Heimbach-Hasenfeld anzupeilen. Anhand einer Azimutwertberechnung aus einem Astronomieprogramm (Redshift5) ergibt sich als Deklination für beide Höhen ein Standort bei Hasenfeld wie folgt:

Südostkuppe = TP/Pinge, Entfernung 4,67 km, Hasenfeld 284 müNN, Rödelsberg 359 müNN = Azimutwert = 60,7 Grad.
Als Vergleichswert ermittelt Redshift5 für den 11.05.2006, 05:52 Uhr, Sonnenaufgang bei 60° 21' 29"
Nordwestkuppe (obere Linie), Entfernung 4,33 km, Hasenfeld 284 müNN, Rödelsberg 352 müNN = Azimutwert = 58 Grad
Vergleichswert hier für den 16.05.2006, 05:45 Uhr, Sonnenaufgang bei 58° 13' 54"


Abb. 3 - Kalenderlinie Hasenfeld - Rödelsberg NW und Rödelsberg SO


Abb. 4 - Höhenprofil Hasenfeld - Rödelsberg 4,67 km


Abb. 5 - Sonnenaufgang über dem Rödelsberg vom Standort Hasenfeld aus betrachtet am 16.05.2006 (rechts), 05:45 Uhr bei 58° 13' 54" Grad, bzw. Sonnenaufgang am 15.5.2006, 05:46 bei 58° 38' 29" Grad (Redshift5-Werte). Die linke Linie symbolisiert den Sonnenaufgang am 11.05.2006 um 05:52 Uhr bei 60° 21' 29" Grad/Minuten/Sekunden
4 Grafiken Abb. 2- 5 per MagicMaps Tour Explorer 25 Deutschland V 4

Die beiden Kalenderlinien verlaufen durch das Rurtal vorbei an einigen Hängen auf den Rödelsberg zu. Eine Überprüfung des Höhenprofils ergab das Zutreffen der Sichtlinie (Abb. 4) und damit eine Bestätigung, daß das Hauptmerkmal eines bäuerlichen vorzeitlichen Kalenders, die Datumslinie zum Beginn des keltischen Sommers, gegeben ist und weitere Grundlagen zu den Besonderheiten eines Rödelsberg-Kalenders herausgearbeitet werden können.

Die Kalenderstätte Hasenfeld

In der topografischen Auswertung läßt sich für Hasenfeld eine Tellerkuppe in einem Durchmesser von etwa 100 m lokalisieren, die etwa zwischen Akazienweg und Bergoberkante am Abhang zur Rur hin liegt. Ein dortiger Wanderweg liegt an der Höhenlinie zwischen 265 m und 270 m, ein innerer Kreisbereich bei 275 müNN (Meter über Normalnull). Am nördlichen Rand des Waldweges befindet sich eine kleine Bank an einer Lichtung, die leider durch die Bewaldung keinen Blick auf den Rödelsberg ermöglicht. Inmitten der Anlage befindet sich eine etwa rechteckige Wiese. Der ursprüngliche Charakter einer kreisförmigen Anlage ist trotz der neuzeitlichen Bebauung im Osten äußerlich noch erhalten, der innere Kernbereich der Wiese scheint verfülltes Material zu sein, wie es etwa bis 1960 andernorts üblich war, den dörflichen Schutt an ehemaligen Sandkaulen oder Steinbrüchen abzulagern. Am Abhang zur Rur verläuft der Waldweg entlang einer Bergkante, die etwa 5 - 10 m talabwärts an einigen Stellen kleine zeltgroße begraste oder bemooste Flächen aufweist. Terrassierungen lassen sich am Berghang nicht erkennen. Innerhalb der Anlage gibt es einige kurze Böschungsverläufe, bzw. Trockenmauern.


Abb. 6 - Kalenderstandort Hasenfeld
Arbeitsgrundlage: Topografische Karte mit Einzeichnungen und Markierungen


Abb. 7 - Google-Earth Screenshut 21.8.2011


Abb. 8 - Fotomontage: Sonnenaufgang über dem Rödelsberg am 15.5. Obwohl der Rödelsberg höher gelegen, liegt er jedoch weiter im Hintergrund und erscheint deswegen kleiner als die Ausläufer zwischen den Rurbögen. Von der Kultstätte selbst ist wegen der Bewaldung kein Foto vom Rödelsberg möglich. Der hier gewählte Fotopunkt liegt vorgelagert außerhalb der Anlage.



Die Mauerreste am Aduatuka Eburonum
Eine Begehung im Badewald vom 10.12.2011

Die von Pfarrer Andreas Pohl (1962+), Blens in den 50er Jahren skizzierten Grundrisse seines Aduatuka Eburonum entsprechen weitgehend der kreisförmigen Einzeichnung in folgender Skizze.


Abb. 9 - Aduatuka Eburonum nach A. Pohl im Dezember 2011

Am südlichen Ende des Badewaldes befinden sich unmittelbar an die Kreisstraße K 48 angrenzend zahlreiche Wallgräben, über deren Ursprung sich die wenigsten Vorbeifahrenden kaum im Klaren sind. Allenfalls ist bekannt, daß hier einst die Kelten und später die Römer nach Eisen gruben und in ihren kleinen Brennöfen und Schmieden die damals wichtigen Erzeugnisse zur Waffen- und Werkzeuggewinnung herstellten. Teilweise laufen die Wälle parallel der Straße, teilweise gehen sie schräg oder durchschnitten als Hohlweg ein Labyrinth von Quergräben oder gingen in aufgeweichte Gräben über. Letztlich auch als Relikt des damals ungenügenden Wegebaus oder als ein Rest von durchwühlter Erde, vielleicht aus Zeiten der Fortifikation zur Germanen- oder Römerzeit, vielleicht aus Gründen der Verschanzung im letzten Kriege übriggeblieben. Der Badewald war oben im Quellgebiet des Neffelbaches ziemlich feucht und sumpfig und die durchgehende Eisenstraße, so nennen manche Ortskundige die K 48, war auch sicher in späteren Zeiten von mehreren parallel verlaufenden Ausweichwegen umsäumt, letztlich für Unkundige allesamt ein fragwürdiges Gelände, was sich dort auftat.


Abb. 10 - Unweit des Waldrandes sieht man einen ehemaligen Mauerabschnitt und man erkennt die Wuchtigkeit der hier an dieser Stelle relativ gut erhalten Umfassungsmauer. Der Abschnitt ist etwa 1,20 m breit auf einer Länge von ca. 5 Metern

Der Kernbereich der Anlage liegt im leicht ansteigenden Gelände mit mehreren kleinen Anhöhen und läßt sich als kreisförmig definieren. Er liegt leicht von Süd nach Nord ansteigend an einer Höhenlinie von etwa 340 bis 350 müNN (Meter über Normalnull). Im Nordwesten finden sich Mauerreste eines Eckturmes.

Der Durchmesser der inneren Anlage beträgt etwa 170 m und läge etwa bei 500 Fuß gemäß dem Fußmaß der Vorzeit (Hengedenkmäler), dem Fußmaß Kaiser Karls und dem Drusischen Fuß.

Mit der Begehung der vor- oder frühgermanischen Reste am Rödelsberg konnten die Vermutungen über einen vorzeitlichen Kreis am Rödelsberg etwas objektiviert aber keinesfalls bestätigt werden. Eine Kalendertauglichkeit eines Rödelberg-Heiligtums der Vorzeit wird sich hoffentlich in Zukunft durch Analysen der Kalenderorte der Umgebung näher feststellen lassen. Ein überbautes Rödelsberg-Heiligtum bei Nideggen und ein überbautes Keltenring-Heiligtum bei Kreuzweingarten halten die Legende an einen versunkenen Nibelungen-Schatz lebendig.


Der Sonnenberg - Ein Hinweis auf ein Sonnenheiligtum der Vorzeit?

Zur Beobachtung bestimmter Sonnenereignisse legte man schon zur Keltenzeit Kultstätten an, die in unseren Breitengraden insbesondere zur Bestimmung des Frostbeginns und –endes, sowie der Sonnenwenden und auch der keltenischen Feiertage dienten. Bislang gibt es nur Vermutungen, daß auch das Hausener Terrassental astronomische Funktionen besass. Die Ausrichtung einer West-Ost-Achse auf der sogenannten Tag-und-Nacht-Gleiche und der Verlauf einer Nord-Süd-Achse von der Mitte zum Süden deuten auf Attribute zur Ausrichtung eines Sonnenkalenders und der Verlauf des Hohlweges Richtung Nord-Ost kennzeichnet zwei Mondwenden bei ca. 41 Grad [Aufgang] und ca. 220 Grad [Untergang]. Da das Forschungsgebiet noch wenig bekannt ist und keine Literatur oder Fachleute weiterhelfen, müssen erstmal die gemachten Beobachtungen schriftlich niedergelegt und im kleinen Kreise angesprochen werden.


Abb. 11 - Runenstein am Sonnenberg (Foto - Exkursionsteilnehmer)

Demzufolge war es ein Glückstreffer, auf der Tranchotkarte anstelle des Rödelsberges einen Sonnenberg zu finden. Einfach großartig erstmal die Idee, daß der Rödelsberg einst Sonnenberg hieß und somit schon fast klar wäre, daß es sich um einen Sonnenkalender oder mindestens um einen aktiven oder passiven Sonnenbeobachtungsort handeln würde. Schließlich jedoch einigten wir uns darauf, daß es sich um einen Falscheintrag in der Tranchotkarte handele, denn alle neuzeitlichen Karten und Eintragungen weisen den Namen Sonnenberg südwestlich 2,26 km entfernt vom Rödelsberge aus.

Somit gilt es jetzt den heute in den topografischen Karten eingetragenen südwestlich gelegenen Sonnenberg, das benachbarte Terrassental und den Rödelsberg auf Kalenderlinien und umliegende Standorte hin zu untersuchen und die Frage zu klären, inwieweit lassen markante Höhen und Konjunktionen geeignete Kalenderbeobachtungen zu. Also musste das Computer-Astronomieprogramm (RedShift5) her, welches Sonnenstände und Werte berechnet, die angeben, an welchen Tagen über welchem Hügel die Sonne aufgeht. Die Werte der Tabelle sind für 2006 zu verstehen. Die Erarbeitung einer solchen Gesamtjahrestabelle ist sehr aufwendig, da man immer Einzelwerte oder kleinere Mengen exportieren muss; deshalb der Rückgriff auf eine Arbeitstabelle von 2006. Sie ist auch für 2012 und die Folgejahre gültig bei minimalsten Abweichungen.

Abb. 17 - Azimutwerte, Kalendereckdaten

Als Ergebnis kam eine Übersichtskarte des Gebietes zwischen Rödelsberg [R] und Sonnenberg [S] heraus, auf der man geeignete Höhen miteinander in Konjunktion stellt und uralte Flurwege zusätzlich als Ausrichtungstangenten miteinander vernetzt. Verwirrend erscheint, dass hier Germanenkultur und vorzeitliche Kultur als Vertreter von Sonnenkultur und Mondkultur sich begegnen.

Ermittel wurden einige Konjunktionen zum Rödelsberg.

1. Die übergeordnete Kalenderlinie auf der Tangente der Wintersonnenwende (~127 Grad) vom Krawatschketurm bei Bergstein zur Michelskapelle bei Bad Münstereifel-Mahlberg ist genau 25 km lang und dürfte schon in der Steinzeit bekannt gewesen sein. Der Michelsberg ist einer der markantesten Erhöhungen der Vordereifel und ist mitunter von einer Entferung von über 50 km zu erkennen. Durch Zunahme der Bewaldung ist die dortige Michelskapelle leider heute kaum noch aus der Ferne zu erkennen. Eigentlich galt sie schon als ein Markenzeichen ab den 50er Jahren bis etwa zu Jahr 2000 und war durch ihren weißen Turm nicht zu übersehen und zu verwechseln.

2. Kalenderlinien, ausgerichtet auf den Rödelsberg kennzeichnen den Mittelpunkt der regionalen Anlage, die spätestens in der eburonischen Zeit oder der Frühgemanenzeit errichtet wurde. Die Erforschung der 3 derzeit gefundenen Kalenderlinen (Sophienlinie, SSW und WSW) hat im März 2012 gerade begonnen. Eine Wintersonnenwende deutet auf den Lützenberg und „Auf der Warthe“ bei Vlatten. Eine Allerheiligenlinie 1.11. (Samhain/Halloween) bei 117 Grad und Martinstaglinie zum 11.11. (112 Grad) deuten auf einen noch nicht untersuchten Ort etwa bei Floisdorf.

3. Kalenderlinien im Hausener Terrassental. Hier gibt es so gut wie keine literarischen Hinweise über Kalenderanlagen in Senken oder Tälern. Bislang kann nur auf wenig Erfahrungen von Untersuchungen von Blens/Rur und Bergheim-Glessen ausgegangen werden. Dort liegende Furten liegen auf Mondwendetangenten, die neben ankommenden Wegen auf auf dem Verlauf der Sommersonnenwende bei 50 Grad angelegt wurden. Falls es sich um Anlagen von Mondkulturen handelt, gehen sie bis in die Jungsteinzeit zurück. Von zwei gemutmassten Kultstätten, die im Talmittelpunkt des Hausener Terrassentales etwa auf 2 Vorsprüngen liegen, gehen Sonnen- und Mondbeobachtungslinien aus, die auf Horizontbeobachtungen schließen. Eine weiß eingezeichnete Linie kennzeichnet die Tag-Nacht-Gleiche auf der West-Ost-Achse und am südlichen Kamm am Hahnenberg sind 2 Nordausrichtungen von Wirtschaftwegen, die zum Rödelsberg zeigen, davon der östlichere direkt zum Zentrum des Adutuka Eburonum.


Eine Kalenderbetrachtung von Berg vor Nideggen

Wie immer eine Besiedelung der Umgebung des Badewaldes einst stattfand und unabhängig davon, ob es sich tatsächlich um ein vorzeitliches Kalendersystem am Rödelberg handelt, ist es interessant der Frage nachzugehen, inwieweit Berg vor Nideggen kalendarisch angelegt ist. Anhand der geschichtlichen Unterlagen hat es in Berg und Umgebung mehrere Römervillen gegeben und man weiss, dass Berg aufgrund seiner günstigen Lage Mittelpunkt eines römischen Signalsystems war, welches Nachrichten nach Köln, Bonn, Belgica, Trier, Belgien und Wegberg weiterleitete. Wie an Beispielen verschiedener anderer Orte bekannt ist, basieren einige der heutigen Kirchtürme noch auf den Fundamenten dieser römischen Signaltürme.


Abb. 13 - Römisches Signalsystem bei Nideggen und Berg

Aus der Skizze ergibt sich, daß die Signaltürme von Berg und von Nideggen besonders zusammen gewirkt haben. Anhand des Höhenprofils kann man nachvollziehen, dass eine Nachricht von Belgien nicht in Berg empfangen werden konnte. Andererseits kann eine Nachricht von Nideggen nach Bonn nicht ohne Weiterleitung des nahe gelegenen Signalturmes von Berg gelangen. Wie sich herausstellte, liegen die Orte Konzen - Simmerath - Schmidt - Nideggen - Gymnich - Gleuel - Köln nicht einfach nur auf einer Geraden sondern liegen auch auf der Tangente zur Sommersonnenwende (Aufgang), die für den 22. Juni 5.22 Uhr 50 Grad 17 Minuten und 33 Sekunden beträgt. Kalendarisch ist nicht auszuschließen, dass diese Orte um dortige römische Signaltürme etwa bis etwa 350 n. Chr. entstanden. Eine zweite Anreihung von Signaltürmen auf einer Kalenderlinie von Berg - Bürvenich - Schwerfen - Obergartzem verläuft auf der Ausrichtung für den 1. November 7.25 Uhr auf 112 Grad 19 Minuten und 35 Sekunden. Auch der gradlinie Verlauf der Strecke Berg - Froitzheim - Vettweiß - Gladbach - Gymnich lässt sich kalendermäßig (Mondwenden) interpretieren. Zu dieser Art Linien exitieren jedoch bislang nur wenig Untersuchungen, man weiss lediglich, dass sie vorhanden sind. Die anderen Signalstrecken sind kalendarisch nicht relevant. Die Strecke nach Düren ist nach Norden; die Strecke nach Zülpich nach Osten ausgerichtet, also auch als astronomisch angelegt zu deuten.

Bei den kalendarischen Betrachtungen gibt es zu Berg vor Nideggen interessante Analysen. Die wichtigsten Straßen innerhalb des Ortes verlaufen auf den definierten bäuerlichen Kalenderlinien. Hierbei lassen sich jeweils Anfang und Ende der Straßen als Kalenderort ansehen. In vielen Orten stehen an diesen Stellen Wegekreuze oder Bilderstöcke anstelle von einstigen Menhiren oder sonstigen Markierbäumen/-Pfosten. Oftmals beginnen oder enden hier Wege oder der Punkt liegt in einer Biegung. Die aktiven Beobachtungsorte befinden sich an den linken Linienenden; die passiven Standorte an den rechten. Die untere Karte liest man wie folgt: Steht man am 1. Mai an der Kreuzung Frankenstraße/Kirchstraße und schaut zur Kreuzung Frankenstraße/Dürener Straße so geht über diesem Punkt die Sonne auf; aber nur für diesen Tag, ansonsten weichen sie gerigfügig einige Tage vorher oder nachher ab. Falls es sich um stark ansteigendes oder fallendes Gelände handelt, sind ebenfalls noch Korrekturen vorzunehmen. Am 15. Mai steht man an den grünen Linien, am 11. November an der violetten Linie und am 1. November an der blauen Linie. Die Kirche von Berg steht am Ende einer solchen Linie, als passiver Beobachtunsort für einen Sonnenaufgang von der Burg Nideggen aus. Im älteren keltischen Kalender galten die Feiertage 1. Mai und 1. November als Beginn und Ende des sommerlichen Halbjahres. Sie sind auch heute im Rheinland mit dem Brauchtum verbunden. Bei den Kelten und Germanen waren sie als Mainacht, Beltaine und Samhain, Halloween, Allerheiligen bekannt. Durch Klimaänderungen im Laufe der Geschichte treten in bestimmten Gegenden anstelle von 1. Mai und 1. November der 15. Mai (Sophientag; der Tag nach Eisheiligen, Beginn der Feldarbeit) und der 11. November (Martinstag, Zinstag, Ende der Feldarbeit). Alle 2 originalen und 2 abgeänderten Kalenderereignisse sind in Berg vor Nideggen vorhanden. Es lässt sich also gemäß der Straßenverläufe und Flurausrichtungen von einem bäuerlichen Kalendersystem ausgehen.


Abb. 14 - Berger Kalenderlinien - Bäuerliche Ausrichtungen bestimmen die Straßen- und Flurverläufe

rot = 22.6. - Sommersonnenwende
grün = 15.5. - Sophienlinie
gelb = 1.5. - Mailinie
blau = 1.11. Allerheiligenlinie
violett = 11.11. - Martinstaglinie
schwarz = 22.12. - Wintersonnenwende
weiß = Nord-Süd-Tangente (theoretisch)

Sofern es sich um ältere Wege und Fluren handelt, kann von Ausrichtungen ausgegangen werden, die bis in die Franken- oder Römerzeit zurückreichen. Die Wegemarkierungen an den ursprünglichen frühgermanischen oder keltischen Ausrichtungen wurden von Bauern angelegt und deuten zahlreich auf das Datum 1.5. hin. Wegen Klimaveränderungen und Erdachsenverschiebungen musste man jedoch irgendwann im Laufe der Jahrhunderte auf den 15.5. ausweichen. Ein vorzeitlicher Kalender in England dagegen konnte von den Vorteilen des Golfstroms und dem früheren Eintreffen der warmen Jahreszeit profitieren und man blieb dort beim 1. Mai als Feiertag und Beginn des bäuerlichen Jahres bestehen. Ähnlich verhält es sich mit dem Beginn des Winterhalbjahres, welches im rheinischen und Eifelraum vom 1.11. auf den 11.11. verschoben wurde. Kirchliche Kalenderkorrekturen zerstörten schließlich das Wissen um den ursprünglichen Kalender. Der lange gerade Verlauf der Frankenstraße im westlichen Ortteil (zwischen 'Im Brühl* und 'Auf der Komm') kennzeichnet eine Maritinstaglinie (11.11.), die für das Ende des keltischen Sommers steht und auch heute noch für den Bauern den Zinstag darstellt, also die Pacht bezahlt wird. Einzelne gesonderte Besonderheiten wären für tiefergreifende Analysen Anlass genug, erwähnt zu werden: An den bisherigen untersuchten Kalenderorten standen häufig an den Enden und Schnittpunkten solcher Straßenverläufe Wegekreuze und Bilderstöcke; zumindest, wenn es sich um Orte in Höhenlagen handelte. In einer weiteren Untersuchung wird man also deren Standorte, sowie die Standorte von Wegekreuzen und Bilderstöcken in der Umgebung mit in die Betrachtungen aufnehmen und entsprechende Aussagen noch anfügen können.

Eine Besonderheit hat Berg kalendarisch noch zu bieten: Zieht man von der Kirche eine Verbindungslinie zur Kreuzung Frankenstraße / Kirchstraße, so hat man eine Nord-Süd-Ausrichtung (= 0 Grad). Von der Kirche aus betrachtet müsste also das Sternbild 'Großer Wagen' bei klarem Himmel direkt auf den Nordstern oberhalb der Kreuzung deuten. Eine Tatsache, die schon den keltischen Vorfahren bekannt war und noch von den Germanen bei Ortsgründungen herangezogen wurde.


Eine zweite Kalenderanalyse am Sonnenberg und eine Gewissheit

Zwischen dem Hausener Terrassental und Heimbach liegt sich der sogenannte Sonnenberg. Dieser findet sich bereits in der historischen Karte von 1860 eingetragen, aber offensichtlich an falscher Stelle; denn im Vergleich mit einer aktuellen topografischen Karte liegt der Sonnenberg bei Heimbach und nicht in der Nähe vom Badewald.


Abb. 15 - Sonnberg am Badewald? - Hist. Kartenausschnitt Tranchotkarte 1840


Abb. 16. - Zwei mal „Der Sonnenberg“ - Google-Earth Screenshut vom 29.3.2012

Eine Weitersuche half: In neuzeitlichen Meßtischblättern steht es ganz genau: Es existieren zwei Einträge „Der Sonnenberg“ einmal bei Hausen nordöstlich der Krefelder Hütte neben dem Mühlenberg und einmal nordöstlich von Heimbach aus gesehen hinter dem Fischbachtal. Begehungen und eine Analyse erbrachten als Ergebnis, dass beide Höhen kalenderrelevant sind und zueinander auf der Sommersonnenwende (Aufgang) und Wintersonnenwende (Untergang) konjugieren.

Beide Sonnenberge liegen auf einer Tagente zur Sommersonnenwende (Aufgang - 22.6.) bei 50 Grad. Dieser Wert ist als theoretisch anzusehen. Sonnenberg 1 (Heimbach) liegt 393, Sonnenberg 2 (Hausen) 308 müNN. In der Horizontbetrachtung der Sonnenereignisse ist also von Abweichungen vom Idealwert auszugehen. Da sich aufgrund getrübter Sicht oder tiefstehender Morgenwolken Beobachtungen von Sonnenuntergängen als schwierig darstellen, bietet sich hier eine Sonnenuntergangsbetrachtung an, die statt am 22.6. morgens am 22.12. abends in umgekehrter Richtung verläuft.

Die Begehung ergab eine Messung vom Standort N 50 39 4,54 E 6 30 15,88: Sonnenuntergang (17.12.-26.12.) auf einen Punkt (50 38 32,5, 6 29 15,26) der 72 m entfernt beim TP Sonnenberg/Heimbach liegt. Die Tangente liegt bei etwa 232 Grad und ist 1,57 km lang. Eine weitere Auswertung ergibt, dass obige Sonnenwendlinien einen Verlauf entlang der nördlichen Badewaldstrasse haben, die wohl in alten Zeiten angelegt und scheinbar zu Kalenderzwecken genutzt wurde. Die Bewohner der einstigen Römervilla in Nähe des heutigen Ivenhofes werden sich den Sonnenuntergang über dem Sonnenberg Heimbach nicht entgangen gelassen haben.

Der neu entdeckte Sonnenberg oberhalb des Hausener Terrassentales brachte noch ein weiteres Geheimnis: Im unterhalb gelegenen Tale fand ein Hausener Heimatfreund den in Abb. 11 dargestellten und andernorts beschriebenen Menhir mit sichtbaren Einrillungen. Niemand weiss, wo er ursprünglich gelegen hat und wie er dorthin gekommen ist.


Abb. 11 - Fundstein mit Einrillungen - 26.11.2011

Nachdem die kalendarische Zuordnung der beiden Sonnenberge einen Kultzweck erkennen lässt, wird nicht ausgeschlossen, daß der Menhir unterhalb des Hausener Sonnenberges einst oben inmitten der kleinen Tellerkuppe gestanden hat. Hierdurch wäre ein neuer Gesichtspunkt bei der Betrachtung von Kalenderstandorten entstanden.

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