Heinrich Klein
Rund um den Badewald
Eine Exkursion in die Vergangenheit





Um ehrlich zu sein, brachte die Exkursion in den Badewald mehr Fragen als Antworten, so wie es in der Vergangenheit auch schon betuchte ortskundige Heimatforscher wie Pfarrer Andreas Pohl und Heinrich Fischer, scheinbar erleben mußten. Wir waren 4 Heimatfreunde, die am 23. Juli 2011 loszogen, endlich einmal eine jener kimbrischen Wohngruben zu sehen und wir mußten zugeben, daß viele der in der Umgebung wohnenden Heimatforscher, Wanderfreunde oder Ortsansässigen uns keine Auskunft über manche Dinge, auf denen sie geradezu wohnen, geben konnten.

Die Terrassierungen bei Hausen und ein Hohlweg

So kennen zwar die meisten Bewohner Hausens unweit von Heimbach das terrassenförmige und verzweigt angelegte Tal östlich von Hausen am Ende des Weges „Am Müllenberg“. Zu welchen Zwecken aber diese Terrassen und Holwege einst dienten, war niemand in der Lage, Auskunft zu geben. Man wußte aber, dass zu Zeiten der Schneeschmelze oder bei starken Regengüssen Unmengen von Wasser und Schlamm sich auf den Weg ins Tal machte. Von verheerenden Schäden zeugen tief eingeschnittene Kulen und Wasserlöcher entlang des Weges nach Osten zu, der sich schließlich in die 3 Nebentäler mit ihren zahlreichen Terrassen erstreckt und schließlich irgendwo im Tale endet. Wenige Wirtschaftswege und nur eine Zugangsstraße geben Anwohnern Zufahrt in die sich lang erstreckenden Wege im Terrassenlabyrinth. Oben östlich an der Eisenstraße und am südlichen Kamm Richtung L 218 enden nur zwei von ihnen. Nach Norden zu führt einer zum Badewald, beliebtes Objekt von ehemaligen Eisensuchern, Römern, Geschichts- und Heimatforschern um Pfarrer Pohl.


Abb. 1 - Terrassen bei Heimbach-Hausen. (25.6.2010) Gelb eingezeichnet der Hohlweg, grün gekennzeichnet die nicht oder kaum begehbaren Restgewanne, angelegt in alten Zeiten.

Ein unsprünglicher Zweck der heute als Viehweiden genutzten Anlage konnte nicht festgelegt werden. Da jedoch wenig Südhänge wegen der sternförmigen Form belegt sind, scheidet ein Weinbau aus. Auch die Nutzung des nördlichen Hohlweges (gelbe Einzeichnung) als Viehweg oder für Transportzwecke scheint zweifelhaft, da am oberen Ende es keinen vernünftigen Einstieg gibt, an dem ein Träger oder ein Tier ohne Gefahr gehen könne.


Abb. 2 - Der obere relativ steile Einstieg zum Hohlweg, der vom Blätterdach überdeckt etwa 500 Meter Richtung Hausen verläuft.

Und hier setzten bereits die ersten Ideen und Theorien ein, wenn man bedenkt, daß möglicherweise einst Cäsars Korhorten hier entlang marschierten und von Kelten, die aus dem Hohlweg und umliegenden Gebüschen heranstürmenten, niedergemacht wurden. Aus seiner Länge von etwa 500 Metern dürften die unter dem Schutz von tiefragenden Bäumen hockenden mehr als 3000 Kelten aus ihrer Deckung heraus mit Wurfgeschossen die überraschten Römer überfallen haben, den Rest erledigten anschließend die Kelten der anderen Hangseite mit ihren Speeren und Pfeilen. So mag sich manch einer erklären, warum die Berichte der Niederlage den mächtigen Caesar so sehr trafen, daß er beschloß, die widerspenstigen dort hausenden Kelten zu vernichten. Schön wäre es, die in diesem Punkte unbekannte Geschichte des Untergangs der Eburonen endlich gelöst zu haben, wären dort nicht auch noch andere Orte, die für einen solchen Überfall in Frage kämen; nicht nur im Heimbach-Nideggener Raum, sondern auch bei Eschweiler-Stolberg oder bei Tongern in Belgien. Und so freuten wir uns zumindest, einen Stätte gefunden zu haben, wo die Fantasie unsere zahlreichen Gemüter beflügelt und wir uns wähnten, eine Prä-Inka-Kultur in der Nordeifel, eine jungsteinzeitliche Terrassierung oder ein Quellheiligtum der Vorzeit gefunden zu haben.


Abb. 3 - Unbekannte vorzeitliche Kultur. Terrassierungen südlich des Badewald.

Der obere Neffelbach und keltischer Bergbau

Unweit der Hausener Terrassen etwa 2 km östlich, also auf der anderen Seite der Eisenstraße trifft der Betrachter auf die Welt des oberen Neffelbaches. Dieser hier in Feuchtwiesen entspringende Bach dürfte zu früheren Zeiten von hoher Bedeutung gewesen sein. Sein damaliger Wasserreichtum des 40 km langen Baches versorgte später im Verlauf 36 Mühlen, zahlreiche Wasserburgen und Fischteiche. Die Sage spricht von einem Zwergenkönig Niff, der einst im Quellgebiet der Neffel unter der Erde gehaust hat. Und manch ein Heimatforscher vermutet hinter den Nibelungen bzw. Niflungen einen Ort im Bereich des Neffelbaches.


Abb. 4 - Oberer Neffelbach, Quellgebiet


Abb. 5 - Terrassen entlang der Neffel

Diese entlang der Neffel liegenden Terrassierungen scheinen eine Fortsetzung der Terrassenkultur bei Hausen zu sein. Pfarrer Pohl benennt bei Geheimnis des Badewaldes zur Lokalisierung von Badua die Orte Nideggen, Berg vor Nideggen, Embken, Wollersheim, Vlatten, Hausen und Abenden; demzufolge dürften also dieser Bereich der Terrassensysteme von Hausen und Vlatten zum System der Bade gehören. Eine ähnliche Terrassenwelt liegt noch an der L 218 östlich von Heimbach am Abzweig nach Hergarten (900 m nördlich von Walbig), allerdings findet diese bei Pohl keine Beachtung, sie fällt derzeit landwirtschaftlichen Einebnungsmaßnahmen zum Opfer (2010/2011).

Der gesamte Raum um Badua war einst Heimat der sogenannten Odvaka, der Gutswache der Kimbern und Teutonen. Der Name Odvaka der sich im Worte Aduatuca widerspiegelt, zeigt inwieweit Lautverschiebungen und Namensänderungen an diesem Schmelzpunkt der verschiedensten Germanengruppen dazu geführt haben, daß noch in der heutigen Zeit die Ursprünge mancher Namen der Umgebung nicht mehr gedeutet werden können. Bezüglich des Verbleibs der 6000 Kimbern und Teutonen läßt sich nur ihre Auflösung in den anderen Volksgruppen annehmen, wie dies die Ortsnamen Embken, Niederembt, Oberembt, Kerpen letztlich die Ursprungsilben Kemp, Kerp, embt, emk, also die Kempen, Kembern vermuten läßt. Die Kultur des Neffelbaches verbirgt also zumindest, was den Oberlauf angeht, weiterhin seine eigenen Geheimnisse. Wer die Orte entlang des Neffelbaches zwischen der Bade und Zülpich befährt, stößt auf eine andere Bau- und Kulturlandschaft, als weiter neffelabwärts Richtung Kerpen, oder nach Düren bzw. Euskirchen zu. Prägnant die Bruchsteinbauten, Kirchen und Bilderstöcke, die sich von denen der Umgebung in Alter, Bauweise oder Material unterscheiden.

Am Ende des Neffelquellgebietes also steigt das Gelände leicht an in Richtung Eisenstraße, die von Nord nach Süd die Eifel an dieser Stelle durchquert. Wer von Ost nach West schließlich durch den Badewald vom Neffelbach her wandert, stößt unter ortskundiger Führung etwa 1 km weiter an rechts im Wald liegende Gruben und Maare, die von Pfarrer Pohl im anderen Zusammenhang auch als kimbrische Wohngruben bezeichnet werden. Wir konnten uns dieser Meinung eigentlich nicht anschließen. Alles deutet eher auf Bergbaugruben hin; aber wo befindet sich der Abraum? Wo geschah die Zerkleinerung und die Erzwäsche. Keine Spur von Halden, statt dessen in wahlloser Anordnung kleinere Maare und dann wieder größere Gruben. Fragen über Fragen drängen sich auf. Pohl gibt zumindest eine Antwort, als er in Geheimnis des Badewaldes schreibt, daß die Erde um die Gruben ausgebreitet und eingeebnet wurde. Die Theorie der Wohngruben leuchtet nach Pohls Begründung eigentlich ein, da wirklich weit und breit keine Abraumhalden oder Schuttanhäufungen zu finden sind. Von Stolleneingängen hat bislang noch niemand berichtet. Also doch Wohngrube? Wir sind unschlüssig.


Abb. 6 - Grube im Badewald etwa 5-8 m tief und 30 m im Durchmesser. 120 solcher Gruben soll es einst gegeben haben.


Abb. 7 - Seicht in den Hang gebaut. Bergwerkseingang oder Wohngrube.

Auch hier gerieten wir wieder ins Schwärmen. Hat nicht Heinrich Fischer in seinem Aufsatz: In und um die 7 Berge von unzähligen kleinen Hufeisen berichtet, die eigentlich nicht unter germanische oder römische Pferde gehören, sondern eher unter kleinere Steppenpferde. Dienten die Gruben als Zwischenlager für die römische Fouragierung? Dienten die Maare zur Erzwäsche oder zur Tränkung einer damaligen Pferde-Farm? Namen, wie Rossberg oder Rosstal lassen dies vermuten. Geht man jedoch von einer damaligen Heidelandschaft aus, wie sie noch an einigen Höhenzügen der Rur bis in den 40er Jahren zu erkennen war, ist der Gedanke an wetterschützende Gruben für Menschen, Vieh und Vorräte nicht ganz abwegig.


Abb. 8 - Etwa 2 m tiefer Zufahrtweg im Bereich des von Pohl vermuteten Castellum Aduatuka, der zu Eisenstraße verläuft.

Weiter auf der anderen Seite der Eisenstraße liegt das Pohl'sche Aduatuca, welches sich heute als ein System von Wallgräben und Gruben ohne jede Ordnung erkennen läßt. Ein kurzer Blick und die Gewißheit, daß sich dieses Gelände noch etwa 1 km bis zum Bergesrand oberhalb der Rur fortsetzt, ließ diesen Abschnitt der Exkursion fürs erste beenden.


Abb. 9 - Pohl'sche Karte mit Einzeichnung der besuchten Orte. H = Hügelgrab, B = Berg, T = Terrassen, G = Gruben

Wir hatten also eine kleine Rundfahrt ins südliche Pohl'sche Aduatuca gemacht und sind auf die Geheimnisse einer unbekannten Terrassenkultur (T), merkwürdige Hohlwege und eines nicht geklärten Grubensystems (G) gestoßen. Unsere Exkursion begann in Berg vor Nideggen, und bevor sie endete, gab es noch einen Abstecher zu einem Hügelgrab. Zu sehen gab es eigentlich nicht viel, dafür aber wieder viel zum Nachdenken.


Abb. 10 - Exkursionsteilnehmer; Grabhügel im Muschling bei Berg vor Nideggen.

Ein kleiner Diskusförmiger Hügel (H), nördlich von Berg im sogenannten Muschling gelegen, von etwa 3 m Höhe und 10 m Durchmesser erwartete uns und lud zu Betrachtungen ein. Wir waren etwas durchnäßt und aufgrund der Fülle der Eindrücke auch schweigsam geworden. Schließlich stießen wir auf die verschiedensten Zeugnisse verschiedener Epochen und Kulturen, die alle uns ihre Fragezeichen hinterließen. Die bisher noch nicht angesprochene römische Besiedlung ist zweifellos auf Vorgängerkulturen gestoßen. Die an dieser Stelle noch nicht erwähnten Schalensteine zeugen von einer Besiedlung und einer nicht genau bekannten Kultur, die später von den Franken und der Kirche bekämpft und deren Zeugnisse vergraben wurden.



Auf den Spuren des Steinkultes
Eine zweite Exkursion bringt weitere Aufklärung

Kaum jemand vermag zu sagen, wie denn so ein einstiges Heiligtum ausgesehen hat, vereinzelt jedoch finden sich immer wieder Zeugnisse einer Zeit, die vor den Kelten lag. Die römischen Tempelanlagen und Stätten der aus gleicher Zeit etwa stammenden Matronenheiligtümer mögen als Übergangszeugnisse zwischen Megalithkultur und Christentum angesehen werden können, sind in etwa bekannt, sofern es sich um Stätten handelt, die unweit von Siedlungen liegen. Spätestens beim sogenannten Moorheiligtum von Hostel, welches ebenso in der römischen Zeit entstand, fragt man sich, was denn einst die Menschen so bewegt haben mag, in einem Sumpfgebiet an geschützter Stelle eine Verehrungsstätte zu erbauen. Die aus Legenden und Funden bekannten Heiligtümer am Wasser oder an Flüssen sind jedoch vornehmlich anderer Art, als die Verehrungsstätten, die als Vorgänger unserer Kirchen und Wegekreuze an Bergen oder Felsvorsprüngen lagen. Von Brückenübergängen oder Moorwegen in Norddeutschland sind Pfosten, die an einfache Schnitzfiguren erinnern, bekannt, die eine Schutz- oder Verehrungsgottheit darstellen und an denen ein Flussgott oder Grenzgott ein Opfer abverlangt.

Von den einstigen Quellen die Kelten und Römern heilig waren ist nicht mehr viel übriggeblieben. Vom Matronenheiligtum in Nettersheim weiß man, dass rund um den Bergausläufer etwa 20 kleine Quellflüsse in Genfbach oder Urft fließen. Enzenberg und Wellenberg weisen heute noch unzählige kleine Rinnsale und Quellen auf, die durch unterirdische Wasserführung irgendwo an diesen Hügeln an die Oberfläche dringen und schon nach wenigen Metern wieder versickern. Mögen es zur Römerzeit einst vielleicht hunderte gewesen sein, die eine magische Anziehungskraft besaßen und die ansonsten an Flüssen oder Seen verbreitete Kultur hier auf einem Berge sich ansiedeln ließ. Man brauchte sich erst gar nicht die Mühe machen, diese Kultstätten zu christianisieren, sie wurden bereits von den Römern zu deren Zwecken gebraucht, fanden Nutzung als Quelleinfassung für die Wasserversorgung ihrer Gutsanlagen. Der Rest verschwand spätestens mit der Zerstörung der Steinkultzeugnisse durch die Franken. Das Bewusstsein oder Wissen um die Quellen verschwand schließlich mit dem Anlegen von Brunnenanlagen und dem Absinken des Grundwasserspiegels in modernster Zeit fast vollständig.

Wie sieht es jedoch speziell im Bereich des Badewaldes bzw. vom Pohl vermuteten Aduatuca Eburonum bei Nideggen mit vorrömischen Zeugnissen aus? Hier half aufgrund einer Anregung eines neuen Exkursionsteilnehmers und Heimatkenners eine weitere durchgeführte Exkursion, die aus Vollständigkeitsgründen auch noch einmal obiges Gebiet streifte. Und noch einmal wurden aus Ergänzungsgründen auch die Zeugnisse aus anderen Perioden gleich noch einmal mit besucht und durchdiskutiert. Im Folgenden also die Funde, Fundstätten, Kultstätten und Zeugnisse aus verschiedenen Epochen der Geschichte in einem Gebiet, welches einst besiedelt und benutzt und später vergessen wurde.

Aus der Steinzeit

Der erste Fund, den der Bekannte uns zeigt, ist der älteste. Es ist ein in einem Wirtschaftsweg liegender größerer Stein mit Einkerbungen, ähnlich wie Pfarrer Pohl sie als Schalenstein bezeichnete. Der Stein dürfte aus einer Zeit stammen, bevor die Kelten sich im Badewald aufhielten.


Abb. 11 - Fundstein mit Einrillungen - 26.11.2011

Hierzu schreibt Pfarrer Pohl in „Geheimnisse des Badewaldes“: Eine praktische Verwendung der Schalen ist nicht zu ersehen. Gegen ein Eignung zum Zerstampfen von Körnern oder anderen harten Früchten sprechen ihre kleinen Ausmaße, ihre geringe Zahl, ihr Auftreten an schiefen oder senkrechten Flächen sowie die meist unbedeutende oder fehlende Abrundung der Ränder. Beim Volke heißen sie oft Elfenmühlen: Vielfach hat man in ihnen kleine, besonders für Totenopfer bestimmte Opfergruben sehen wollen. Tatsächlich soll in der Schweiz und in Schweden festgestellt worden sein, dass in früheren Zeiten vom Volke Fett, Butter oder Honig in die Schalen gebracht worden ist.

Bekannt ist auch der Gebrauch zum Wetzen oder das Anbringen von Kinderwunsch. Glaube, Brauch, Sitten, Unsitten und Aberglaube mögen alle im Bereich eines Zweckes dieser Steine liegen.


Abb. 12 - Zum Vergleich: Pohlscher Schalenstein; Quelle: Archiv Ferdy Hake, Gürzenich

Soweit also das erste gefundene Zeugnis einer unbekannten Kultur angeführt. Die nächste Fundstätte befindet sich nur 1 km weiter inmitten des Tales mit seinen Seitentälern und seinen Terassensystemen. Es zeigt sich noch einmal die Schönheit und Harmonie der Anlage, wenn man in der Mitte verweilt oder von den Hängen die gegenüberliegenden Terrassen bewundert.


Abb. 13 - Das verzweigte Terrassental mit den 3 alten Wegen, die nach Osten (rechts) und Süden (unten) als zugewachsene Gewanne verlaufen und in Richtung Rödelsberg -R- auf einer Tangente der Mondaufgangswende bei 41 Grad bzw. Monduntergangswende von 220 Grad. Die ungefähren Ausrichtungen des östlichen und südlichen Zuganges sind die Tag-Nacht-Gleiche und die Nord-Süd-Achse. Im weitesten Sinne also eine kalendarisch angelegte Anlage mit oppidumähnlichem hochliegenden Mittelpunkt bei Punkt -K-.

Die kleine Wiese der mit serpentinenförmigem Zugang versehenen im Zentrum liegenden Anlage beheimatet eine kleine Jagdhütte und einige aufgerichtete Steine, die an einen Steinkreis erinnern mögen; sofern überhaupt es jemals eine solche Zusammenstellung gegeben hat. Zugang, Lage und Umgebung durchaus eines Stammesführers würdig oder als Wohnsitz für einen keltischen Unterwassergott geeignet, dem von den Hängen unzählige Früchte zufallen und Farben der Natur sich als würdevolle Umgebung für sein Reich präsentieren, davon zeugen die beiden folgenden Bilder.


Abb. 14 - Steinsetzungen am Platteau


Abb. 15. - Terrassierungen südlich des Zentrums

Überlegungen, weshalb überhaupt diese gesamte Terrassenanlage im verzweigten Talbereich existiert, lässt die Exkursionsteilnehmer an dieser Stelle eher Vermutungen aus dem Reich der Fantasie anstellen. Fest steht, dass kaum Südhänge vorhanden sind und Weinanbau damit also ausgeschlossen sein dürfte.



Noch einmal zum Rödelsberg

Auf der anderen Seite der Eisenstraße noch ein kurzer Blick auf einen Hügel, der an ein Keltengrab erinnern mag. Scheinbar unskizziert und nicht untersucht liegt er vor sich hin. Ein Foto erbringt kaum einen nennenswerten Eindruck; verzichten wir drauf.

Unser ortskundiger Führer hatte sich mehr als wir dies mit Literatur oder wenigen Begehungen erreichen konnten, bereits mehrfach mit der Frage der Funde auseinandergesetzt und war überall auch auf kleine Steinanhäufungen gestoßen, die er als übrig gebliebene Mauerreste zu interpretieren wusste. Dort zwischen den 3 Zentralbergen am Rödelsberg, die am Rurrande zwischen Hausen und Abenden liegen, galt unser Ziel, welches zunächst noch einmal zum Rödelsberg führte.


Abb. 16 - Erinnerungen an Fundamentreste

Berichte von Wanderfreunden, aber auch Erzählungen von Hausener Bewohnern, künden von größeren Steinanhäufungen im Bereich des Badewaldes aus römischer Zeit, die man oben im Badewald in den 50er und 60er Jahren an Seitenwegen fand. Heute finden sich oben am Rödelsberg Reste von Mauerwerk in den Ausmaßen einer Befestigungsanlage, wie dies von Pohl (Abb. 9) skizziert wurde. Die oberhalb der Erdkruste befindlichen größeren Steine hat man abgetragen, übrig gelassene etwa faust- bis brotgroße Reste liegen unzählig verteilt im Bereich von gedachten Mauerverläufen oder vermeintlichen Ecktürmen. Irgendwo dazwischen kreuzen in Richtung Westen zum Rurtal zu noch Schützengräben aus den letzten Kriegstagen die älteren Mauerreste.

Wir ermittelten noch einen kleinen weiteren diskusförmigen Hügel, der fast den Eindruck erweckt, als sei er der Mittelpunkt des Rödelsberges, aber etwa 300 m westlich des originalen TP's liegt. Hier geht es bald schon durch den Wald zum Forsthaus an der Eisenstraße, wo man ins Tal Richtung Abenden abzweigt und weitere Begehungen erfolgten, die an den bereits erwähnten 3 Mittelbergen jeweils auf abenteuerliche Attribute der Vergangenheit stoßen ließ. Dies waren mehrere Hohlwege, bei denen einer mindestens so breit, tief oder lang war, einen 5gliedrigen Personenzug verschwinden zu lassen, sowie mitten im Wald an den Hängen liegende Terrassen, deren Sinn und Zweck sich kaum ergründen lässt. Alle in schattigen Tälern zwischen den Hügeln eingeklemmt ohne jedweden erkennbaren Nutzen. Vielleicht hatten wir uns in wenig Stunden ein Zuviel an Informationen zugemutet und es bedarf weiterer Exkursionen, die einzelnen Zweigtäler noch einmal genauer zu betrachten.

Besonders bemerkenswert erscheint dem Verfasser die Tatsache, dass sich kaum jemand mit dem Terrassensystem am Badewald befaßt hat und auch nur wenige - sogar Pfarrer Pohl kaum - sich intensiv mit den Anlagen am anderer Rurufer und in den Seitentälern beschäftigte. Alle suchten nur in römischen Funden nach einer Lösung und ließen die Vorzeit außen vor. Scheinbar verwahrt die Vorzeit ihr Geheimnis weiterhin unter Verschluß ebenso wie uns der Schatz der Nibelungen verborgen bleibt. Unweit des Badewaldes befinden sich unterhalb von Walbig (Wal-Big [grosser Wal]) die Wal-Orte Wollersheim (Wal-Heim) und Vlatten (Wal-Alt-Heim [Wlat-Heim]) in denen Willibrordus wirkte und Odin durch den Heiligen Michael ersetzt wurde. Zeugnisse der Gründerkultur mit einem unbekannten Hintergrund überall.



Der Badewald, eine Kulturgrenze von Vorzeit und Germanen?

Mit Zunahme der privaten Forschungen durch interessierte Heimatforscher am Badewald tauchten zwar laufend neue Fragen auf, aber einige Ergebnisse fanden sich immerhin schon ein. Nachdem also der Kern des einstigen Pohl'schen Kastellum Aduatuka in etwa rekonstruiert war, gab es Anhaltspunkte, so schrieb ein Exkursionsteilnehmer aus Hausen, dass diese Kernfeste rundherum durch Wälle, Gräben oder weitergehende Sperren gesichert waren. Insbesondere zur Bergkante oberhalb der Rur finden sich kleine Befestigungen, wie Steinwälle, eine kleine Wallburg im Oval von etwa 20 mal 10 Metern, mit Steinen eingefasste Wiesen, Anhäufungen von abgerundeten Steinen etwa in (doppelter) Kokusnussgröße zum Bewerfen anstürmender Feinde aus dem Tal. Es wurde die Frage andiskutiert, in wie weit die Römer, einmal in die Falle gelockt, unter solchen Mengen von anrollenden Geschossen, denn nichts anderes wurden sie im steil abfallenden Gelände, in die Knie gezwungen wurden und der Rest dem Pfeilbeschuss von den Höhen her unterlag. Hier waren schon von Menschenhand eindeutige Vorkehrungen getroffen worden, das Gelände zu verteidigen. Andernorts finden sich heute noch von Felsen und Geröll naturbelassene Hänge, die schon allein durch ihre Beschaffenheit und Unbegehbarkeit einem Feind das Erklettern erschwerten oder vermieden.

Somit wird auch die von Pohl bezeichnete Art und Weise der Eburonen sichtbar, nämlich die natürliche Umgebung in die Fortifikation mit einzubeziehen und im Falle nördlich von Clemensberg und Berg vor Nideggen breit angelegte Hecken im flacheren Gelände jedes Durchdringen fast unmöglich machten. Dort wo das Gelände flacher war, machte man sich die Natur eben auf andere Weise zu Nutze, eine Kunst, die schon die Eburonen anwandten.


Abb. 17 - Felsenmeer bei Nideggen (Foto: Exkursionsteilnehmer)

Nun erhebt sich die Frage: Wer waren die Erbauer dieser Anlagen aus der Kelten bzw. Frühgermanenzeit. Wer waren die Nachbarn, gegen die sich diejenigen zur Wehr setzen mussten? Nachdem also bekannt ist, dass sich vorwiegend die Kimbern hier in dieser Gegend aufhielten, muss davon ausgegangen werden, das sie auf ihrem Zug durch halb Europa schließlich ihre Schatzwache von 6000 Mann zunächst in der Region zurückliessen. Genaue Zeugnisse, ob und wo sie sich niedergelassen haben, sind heute kaum zu erbringen. Weiter oben unter Abbildung 5 wurde hierzu Stellung genommen. Es ist durchaus denkbar, daß eben jene Kimbern sich gegen die dort ansässigen Bewohner durchsetzen mussten. Da allgemein die Gegend nicht sonderlich stark besiedelt war, liessen sie sich auch am oberen Lauf des Neffelbaches nieder. Dort hatten sie einen Ausblick bis zum Siebengebirge, nach Köln und Düren und fanden Wasser und Weiden. Oben im Badewald stiessen sie auf Erze, die sie für Werkzeug und Waffen benötigten.

Möglich, dass sie dort wohnende Eburonen verdrängten und sich gegen Bewohner unten im Rurtal erwehren mussten. Hier wären vom jetzigen Exkursionsstand aus allerdings nur Vermutungen anzustellen, inwieweit sich Kimbern gegen Pikten und Eburonen eine Mauer oberhalb der Rurhöhen zur Wehr setzten, um Flussbewohner und weitere anliegende Stämme abzuhalten. Man schuf sich erst einmal eine nur schwer einzunehmende Fläche oberhalb am Badewald, oder man übernahm bereits von den Eburonen angelegte Befestigungen und dehnte sie noch nach Norden hin aus. Wir wissen es nicht. Eigenartigerweise wurde dann auch die Gegend von Vlatten und Wollersheim sehr früh christianisiert und seit den Zeiten der Merowinger und dem Wirken von Willibrordus kamen einige Jahrhunderte steten Wachstums und schließlich die Seßhaftwerdung von weiteren Germanen, eine neue Ära der Menschheit begann.

Schließlich kamen zwischendurch ja die Römer und machten dem Treiben jener wilden Gruppen, die offenbar jegliches Vordringen einer Zivilisation in diesen Raum unmöglich machten, ein Ende. Die im Zuge der historischen Editionen und um die Entstehung des Christentums gewonnenen Eindrücke scheinen sich zu bestätigen, dass zumindest der rheinische Teil der Bella Gallico von vorne bis hinten gelogen und möglicherweise die Erklärungen mit Ambiorix abgesprochen waren, was das Aufeinandertreffen von Eburonen und Römern betrifft, in Wirklichkeit ging es vielleicht um die Ausrottung von Pikten oder wilder Eisensucher, was niemand, besonders die Eburonen nicht störte. Allzu einfach und übereinstimmend klingen die Aussagen von Cäsar und Ambiorix, den man angeblich nicht fangen konnte.

Nicht umsonst kursieren hier im Eifelraume nur Mutmaßungen um den Schlachtort, ein versunkenes Gression, einen sagenhaften Badewald, einen verlorenen Legionsadler, ein versenkter Schatz der Nibelungen und ein irgendwo dort hausender Drache Nidhöggr im uralten vorzeitlichen Nideggen, in dessen Nähe Kenner die zweite Wurzel der Weltesche Yggdrasil bei Niflheim vermuten. Unweit von hier bei Urft am namensgleichen Fluß, einst Urdefa genannt, ein möglicher Stammsitz der Nornen am Brunnen Urd?





Die Bilder 1-10 sind vom 23.7.2011 und der google-earth-Screenshut kennzeichnet das Aufnahmedatum vom 25.6.2010
Die Bilder 11 - 16 sind vom Exkursionstag 26.11.2011, das historische Foto Nr. 12 des Schalensteins entstammt der Sammlung von Ferdy Hake aus Gürzenich.

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