Neue Forschungen zur Eifel-Geschichte III
Römer erzählen von Kimbern und Teutonen
Von Pfarrer Andreas Pohl, Blens + 1963





Der antike Schriftsteller Plutarch berichtet uns in seinem „Marius“ folgendes über den Kimbern- und Teutonen-Zug: „Die Barbaren hatten ihre Scharen in zwei Heere geteilt. Die Kimbern traf das Los, durch das Gebiet der Noriker (Oberbayern und Tirol) von der Höhe des Gebirges (Alpen) her gegen Catulus (den römischen Feldherrn) zu marschieren und jenen Paß (den Brennerpaß nämlich) zu erzwingen. Die Teutonen aber sollten durch das Gebiet der Ligurerer (an der Riviera) am Meere entlang gegen Marius ziehen. So fiel den Kimbern der weitere Weg über den Brennerpaß zu, der mehr Zeit erforderte. Die Teutonen und Ambronen aber brachen sofort auf und durchzogen das zwischen ihnen und dem Feinde liegende Land.“

Diese zweite Trennung der Kimbern und Teutonen darf nicht verwechselt werden mit der ersten Trennung nach der Schlacht von Arausio (Orange) 105 v. Chr., als die Kimbern nach Spanien und die Teutonen durch Südgallien zogen. Diese zweite Trennung nämlich fand „diesseits des Rheines“ statt, wie Cäsar schreibt. Auf der Linie Lüttich-Neuwieder Becken liegt die Odvacka genau zwischen Maas und Rhein, aber nicht im Neuwieder Becken (die dort gefundenen Siedlungsreste gehören einer älteren Zeit an), sondern am Nordostrand der Eifel an der Ruhr. C. Julius Cäsar berichtet uns in seinem „Gallischen Krieg“ (II 39 ff.) ein Ereignis, daß ohne Zweifel dieselbe Sache und dieselbe Oertlichkeit betrifft und sich nur auf die zweite Trennung der Kimbern und Teutonen beziehen kann: „Sie selbst (nämlich die Advatiker) sind Abkömmlinge der Kimbern und Teutonen. Als diese nämlich nach unserer Provinz (= Provence) und nach Italien zogen, ließen sie alles, was sie an Gepäck nicht mitführen und schleppen konnten, diesseits des Rheines (also auf dem linken Rheinufer) zurück.“ Cäsar tat übrigens an derselben Stelle das gleiche, wie er in seinem „Gallischen Krieg“ (VI 32,3) berichtet: „Den Troß sämtlicher Legionen legte er nach Advatuka.“ Als er im Jahre 53 v. Chr. Advatuka als Lagerplatz für den großen Troß bestimmte, waren erst 48 Jahre seit der Gutswache der Kimbern und Teutonen an dieser Stelle verflossen. „Das ist der Name eines Kastells ungefähr in der Mitte des Eburonenlandes.“

Das Volk der Advatuker

Cäsar schreibt dann (II 39), daß die Kimbern und Teutonen für diesen Troß auf dem linken Rheinufer als „Schutz und Bewachung“ 6000 Mann aus ihren Scharen bestimmt hätten, und daß diese 6000 dann „viele Jahre hindurch bald in Angriffs- bald in Verteidigungskriegen ihre Advacka verteidigt und dann mit Zustimmung aller in der Gegend gesiedelt hätten.“ So entstand hier das Volk der Advatuker, auch „Advatricier“ genannt, d. h. der „Gutswächter“. So werden sie zuerst von den Nachbarstämmen, besonders den Eburonen, die ihnen tributpflichtig waren genannt worden sein. Eine „Völkerwanderschaft der Advatuker“ haben die Kimbern und Teutonen auf ihren Zügen nie bei sich gehabt. Oberster Grundsatz der Advatuka-Forschung muß sein: „Weg von der Maas, hin zur Rur!“ also in die Eifel! Sonst wird die historisch und philologisch beinahe ausgelaugte Frage nach dem „Castellum Advatuka“ und der dabei liegenden „Gutswache“ niemals gelöst werden.

Tacitus berichtet

Der römische Historiker Tacitus berichtet uns in seiner „Germania“ (Kap. 37), daß sich auf beiden Ufern des Rheins „weite Lagerräume befänden, „castra ac spatia“. Der genaue Tacitus-Text lautet: „Denselben Landstrich Germaniens unmittelbar am Ozean bewohnen heute noch die Kimbern, jetzt ein kleiner Staat, aber reich an rühmlichen Erinnerungen. Noch bestehen auf beiden Ufern (womit die Ufer des Rheines gemeint sind) weit umher Spuren ihrer alten Größe. Ungeheure Feldlager, deren Umfang noch heute ein Maßstab ist für die gewaltige Menschenmasse dieses Volkes und ein Zeugnis ihrer großen Wanderung.

Plinius der Aeltere, Stabsoffizier im oberrheinischen römischen Heere (50/51 oder 47 n. Chr.), sah diese „großen Lagerräume“ nicht nur als er 50/51 n. Chr. bei Zurzach die dortige Holzbrücke über die Aare benutzte, und zur Donauquelle ritt, sondern auch 47 n. Chr., als er Niedergermanien, d. h. das Rheinland, besuchte, auf dem linken Rheinufer, als er in unmittelbarer Nähe derselben auf der alten Heerstraße von Köln nach Trier vorbeiritt, und zwar bei der oben genannten Abzweigung von dieser Straße, der sogenannten „Eisenstraße“, einer römischen Nebenstraße. Dort sind die Reste jener Lagerräume in dem großen Grubensystem und den Wällen und Gräben im Badua-Walde noch heute zu erkennen. Das „in Badua“ wird erstmalige von Cäsarius von Heisterbach (zwischen 1240 und 1250) genannt in seinem „Liber miraculorum“, d. h. „Buch wunderlicher Begebenheiten“. Dieses „in Badua“ ist nicht Badorf bei Lechenich, sondern unsere „Bade“. Zur Zeit des Paulus Jovius, des Freundes Karls V. (1552) und des Dürener Chronisten Jacobus Polius (3. Buch, 44 der „Vindiciae antiquitatum Marcoduri“, Seite 254 und 259 der Handschrift) muß noch eine gewisse Tradition bezüglich Advatuka im Dürener Lande gewesen sein. Denn Jovius schreibt, daß „oppresso Dura“, d. h. nahe bei Düren die Kohorten Julius Cäsars unter Sabinus und Cotta zusammengehauen werden. Jacobus Polius bezieht sich auf diese Stelle und schreibt, um 1634 „haud longe a Dura“, d. h. „nicht weit von Düren“ habe die Schlacht bei Advatuka im Jahre 54 v. Chr. stattgefunden. Auf Seite 245 der „Vindiciae“ schreibt er sogar „Marcoduri“, d. h. „Düren“.





Quelle: Dürener Nachrichten Nr. 114 vom 17. Mai 1952
Sammlung Michael Peter Greven, Nideggen, Sammlung wingarden.de, H. Klein
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