Das Geheimnis des Badewaldes
Fortsetzung der Artikelserie - von Pfarrer Andreas Pohl, Blens





Berg vor Nideggen. In der Artikelserie „Das Geheimnis des Badewaldes“ von Pfarrer Andreas Pohl, Blens, nimmt der Verfasser in zwei abschließenden Beiträgen Stellung zum Matronenkult im Badewald, nachdem er in der letzten Fortsetzung über die Blei-, Zink-, Erz- und Kohlevorkommen berichtet hatte.

Schon frühere Funde in und bei der Bade geben uns darüber ein klares Bild. Am Ostrand der Bade, auf dem sogenannten Pützberg bei Wollersheim wurden 1857 mehrere Gräber aufgedeckt, die größtenteils aus gespaltenen Matronensteinen zusammengesetzt waren. (vergl. Bonner Jahrbücher 139) und 1885 kam der große Fund in der Nähe der Neffelquellen: 11 in 13 Stücke gebrochene Tafeln von Matronensteinen mit den oben genannten bilderreichen Reliefs. Sämtliche Tafeln fanden sich in sechs Gräbern. Die zu zwei fränkischen Gräberfeldern verwendeten Matronensteinen gehören zweifellos zu den großen etwa 10 Minuten entfernten römischen Siedlungen in der Bade, die Schoop in seiner Karte als die größten im Kreise Düren eingezeichnet hat. 10 dieser Steine waren den Veteranehischen oder Vateranehischen Matronen und einer Göttin Sunuxal geweiht. Den im ersten und zweiten Artikel abgebildeten Matronentorso habe ich als Kultbild der Matrona Baduhenna bezeichnet.

Neue Forschungen

Wissenschaftlich steht bis jetzt fest, aufgrund der bisherigen Grabungen, erstens: der Fund der Graburnen auf dem Hostert (2000-500 v. Chr.), zweitens: der Rest von Figuren, die auf heidnischen Götterkult, wahrscheinlich Matronenverehrung, hinweisen, und drittens: der Fund der Villa rustica mit Heizung (Hypokaustum). Der Fund der Urnen weist hin auf Jahrtausende v. Chr. Deshalb im folgenden ein Wort über den vorzeitlichen Stein- und Schalenkult im Bereich der Bade, und zwar am ältesten Turm des Dürener Landes zu Wollersheim (vergl. meinen Art. „Die Schalensteine beim Aduatuca der Eburonen“). Ich beschrieb darin die Schalensteine von Mausauel (entdeckt vom staatlichen Bodenpfleger Lehrer Gerhards), vom „Weißen Stein“, bei dem Felspilz im Hohlbachtal und unterhalb des Kreuzes am Weißen Stein und im Isemesthal. Im September 1943 entdeckte ich auf den mächtigen Steinblöcken der Turmhalle von Wollersheim, die mit römischen Ziegeln durchsetzt sind, außer vielen Schleifrillen an drei Turmseiten und einem Sonnenzeichen, die in dem Artikel abgebildeten Schalensteine. Diese Schalensteine oder Napfe entsprechen in der Höhe und Tiefe genau denen, die im benachbarten Luxemburger Lande von Dr. Schneider entdeckt wurden. Es gibt solche Schalen aus der älteren Steinzeit, andere sind an Megalithbauten meistens an Dolmen und Menhirs. Sie verschwinden in historischer Zeit, wie es scheint, gegen Ausgang des Mittelalters. Und da hätten wir das Jahr 713 zu beobachten, als Willibrord hier missionierte. Ueber die Bedeutung der Schalengruben ist unglaublich viel geschrieben und diskutiert worden. Sie ist bis heute nicht zu erfassen gewesen. Eine praktische Verwendung der Schalen ist nicht zu ersehen. Gegen ein Eignung zum Zerstampfen von Körnern oder anderen harten Früchten sprechen ihre kleinen Ausmaße, ihre geringe Zahl, ihr Auftreten an schiefen oder senkrechten Flächen sowie die meist unbedeutende oder fehlende Abrundung der Ränder. Beim Volke heißen sie oft Elfenmühlen: Vielfach hat man in ihnen kleine, besonders für Totenopfer bestimmte Opfergruben sehen wollen. Tatsächlich soll in der Schweiz und in Schweden festgestellt worden sein, daß in früheren Zeiten vom Volke Fett, Butter oder Honig in die Schalen gebracht worden ist. Dazu wäre zu sagen, daß südlich vom Turme von Wollersheim auf dem Pützberg zweimal ein großes Gräberfeld vom Bonner Landesmuseum freigelegt wurde mit fränkischen Gräbern, meist aus gespaltenen Votivsteinen der Matronae Veteranheae und nördlich vom Turme bei „Gödders“heim zahlreiche Matronensteine, besonders der der dea Sunuxal, das ferner unterirdische Wasseradern vom Pützberge zum uralten „Gemeindepütz“ führen, wo nach frühgeschichtlicher Sitte Totenwaschungen vorgenommen wurden und daß beim Turme die Begräbnisstätte für zeitweilig fünf Dörfer gewesen ist (vergl. die Flurnamen „Lichweg“ und „Gräpp“ und meine Abhandlung über Willibrord-Wollberich in Wollersheim).

Kultstätten von Badua

Wie kommen diese Schalensteine und Kultzeichen an die Turmhalle der frühchristlichen Kultstätte in Wollersheim? Wahrscheinlich stammen diese mächtigen Steinblöcke mit den genannten Zeichen aus den „Kultstätten von Badua“. Beim Bau der Turmhalle wurden sie aus der Bade herbeigeschafft und mit christlichen Zeichen versehen. Dafür spricht u. a. die alte Tradition der Wollersheimer, daß die alte Kirche aus Steinmaterial erbaut wurde, das aus der Bade herbeigeholt wurde. Ebenso möglich ist es aber, daß St. Willibrord-Clemens, der eigentliche Missionar der Nord-Osteifel, der 713 als Pastor in Wollersheim (Wollberichsheim-Willibrordsheim) genannt wird, den Steinkult der Neubekehrten zuerst eine Zeitlang klug geduldet hat, indem er jede Generaloffensive gegen den heidnischen Kult vermied. (Näheres darüber in meiner Abhandlung über St. Willibrord-Clemens und die Altertümer von Wollersheim). Wir wissen ja durch urkundliche Feststellung aus dem 5., 6. und 7. sowie 9. Jahrhundert, daß der alte Steinkult weiter bestanden hat bis gegen Ende des ersten nachchristlichen Jahrtausends. Beweis dafür sind zwölf Texte, fünf davon aus Konzilbeschlüssen, vier aus Kapitularien der fränkischen Könige. Ein Beschluß gegen den Steinkult steht in einem Kapitulare Karls des Großen vom Jahre 789, also kurz nach dem Tode Willibrords. In diesem Kapitulare donnert der König geradezu gegen den heidnischen Steinkult. Trotzdem hat derselbe sich bis ins erste christliche Jahrtausend erhalten.

(Schluß in der nächsten Samstagausgabe).





Quelle: Dürener Lokal-Anzeiger Nr. 282 vom 4. Dezember 1954
Sammlung Michael Peter Greven, Nideggen, Sammlung wingarden.de, H. Klein, Sammlung Marliese Wintz, Kreuzau
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