Das Geheimnis des Badewaldes
Was Tacitus sagt - Blei-, Kupfer-, Zink- und Kohlevorkommen





Berg vor Nideggen. Pfarrer Andreas Pohl beschäftigt sich in der heutigen Fortsetzung seiner Artikelserie „Das Geheimnis des Badewaldes“ mit dem Blei-, Kupfer-, Zink- und Kohlevorkommen und deren Verarbeitung im Bergbau im Dürener Land. In der letzten Fortsetzung hatte Pfr. Pohl ein Bild des Badewaldes entworfen, wie es in den ersten Jahrhunderten nach Christus sich bot, eine blühende und schöne Landschaft.

Tacitus schrieb um 98 n. Chr. seine oben genannte „Germania.“ Nach ihm ist Germanien ein „rauhes unwirtschaftliches Land, bedeckt mit Sümpfen und endlosen Wäldern, in denen Auerochsen, Bären und Wölfe sowie andere Wildarten anzutreffen sind. Neben den Feldfrüchten, Gerste, Hafer und Rüben gibt es bereits Bodenschätze, wie Eisen, Kupfer, Salz und Bernstein. Der Name „Germanen“, der von den Kelten stammt, ist eine Gesamtbezeichnung für eine Vielzahl von Stämmen, die ihren eigenen Namen haben, und in Holz- und Fachwerkhäusern wohnen.“ „Nirgends wohnt man bei den Germanen in Städten. Ja, sie dulden nicht einmal verbundene Siedlungen. Sie wohnen gesondert und von einander abgewandt so wie ihnen gerade eine Quelle, ein Gefilde, ein Gehölz behagt. Dörfer legen sie an, doch nicht nach unserer Art mit verbundenen und aneinanderstoßenden Gebäuden. Jeder läßt um sein Haus einen freien Raum, sei es zur Sicherung gegen Feuersgefahr, sei es aus Unerfahrenheit im Bauen. Selbst Mauersteine und Ziegel werden bei ihnen nicht verwendet. Fachwerk dient zu allem: dies ist unschön und ohne Schmuck und Reiz. Nur bestreicht man einige Stellen sorgfältig mit einer Erdart, so rein und blendend, daß der Anstrich fast wie eine Malerei oder ein Linienornament aussieht. Ueblich ist es, Höhlen in die Erde zu graben. Diese beschweren sie oben mit einer dicken Dungschicht als Zuflucht im Winter oder als Raum für die Erdfrucht.“ So lautet der Taxitustext.

Vorkommen an Roteisenstein

Neben anderen Bodenschätzen erwähnt der Bericht des Tacitus Eisen und Kupfer. Das heimische Erz nennt man in der Eifel gewöhnlich Roteisenstein, bei uns Brauneisenstein. Dieser ist wie Dr. Dom in der „Eifelvereinszeitschrift“ nachweist, an den Eifelkalk gebunden. Wie die Mergel und Eifelkalke ist auch der Roteisenstein oder Brauneisenstein durch Ablagerung am Grunde eines Meeres entstanden, das vor vielen Millionen Jahren unsere Gegend bedeckte. Die wissenschaftlichen Untersuchungen haben ergeben, daß der Eifeler Roteisenstein ein kristalliner Kalkstein ist, in dem Eisensteinkörner eingebettet sind (Dr. Dom). Wir wissen, daß das Erz der Eifel schon in frühgeschichtlicher Zeit abgebaut wurde und seine Erzeugnisse einen Hauptabschnitt in der Geschichte der Menschheit bilden. Man nennt diese frühe Handwerkskunst die Eisen- oder La-Tene-Zeit. Sie folgt auf die Bronzezeit. „Längst ehe die Römer in unsere Heimat kamen, hatte die La-Tene-Kultur einen so hohen Stand erreicht, daß wir auch heute noch ihre Erzeugnisse bewundernd betrachten. Und gerade unsere Vorfahren, die Kelten der vorrömischen Zeit, genießen den Ruf, hervorragende Eisenfachleute sowohl auf dem Gebiete der Verhüttung als auch der Verarbeitung gewesen zu sein“ (Dr. Dom). Wenn also bei den Ausgrabungen im Badewald Eisenbergbau mit wirtschaftlichem Betrieb nachgewiesen werden sollten, wie in den Pressenberichten angedeutet wurde, dann ist dieser „Industriebetrieb“ schon in vorröm. Zeit da gewesen. Verfasser dieses Artikels erwartet mit Spannung das Ergebnis der Durchforschung des Grubensystems im Badewald. Sie wird neue Erkenntnisse bringen über Blei-, Kupfer-, Zink und Kohlevorkommen und deren Verarbeitung im Bergbau im Dürener Land.

(Fortsetzung folgt).





Quelle: Dürener Lokal-Anzeiger Nr. 270 vom 20. November 1954
Sammlung Michael Peter Greven, Nideggen, Sammlung wingarden.de, H. Klein, Sammlung Marliese Wintz, Kreuzau
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