Das Geheimnis des Badewaldes
Pfarrer Andreas Pohl untersucht in einer fünften Abhandlung kritisch die Theorien über den „Badewald“





Berg vor Nideggen. Pfarrer Andreas Pohl schilderte in seiner vierten und fünften Abhandlung die Schlacht von Aduatuca und den Angriff der Sigambrischen Reiter. Heute befaßt sich der Verfasser der Artikelserie mit der Theorie: „Ist die Bade der Kampfwald?“

Es ist für uns im Dürener Lande interessant zu hören, was zu dieser Theorie Hindenburg gesagt hat. Es war im Jahre 1898 gelegentlich der Kaisermanöver, als Hindenburg mit seinem Stabe am „Clemensstock“, der uralten Linde ganz in der Nähe von Badua hielt. Manövertag und Hochsommertag waren heiß. Junge Offiziere des Stabes meinten lachend, es wäre ihnen schon recht, wenn der Badewald seinem Namen Ehre mache und ihnen ein frisches Bad liefern würde. Hindenburg hörte die Bemerkung und sagte: „Meine Herren, verstehen Sie nicht, „Badu“ ist ein altes germanisches Wort und bedeutet Kampf. Hier haben große Kämpfe stattgefunden.“ So schildert es ein Major des Generalstabes vor 66 Jahren. Hindenburg kam dann nach Zülpich. Notar Dr. Bigenwald hat im Eifelkalender 1927 anschaulich geschildert, welch tiefen Eindruck die Eifellandschaft auf Hindenburg gemacht hat, als er gelegentlich der Manöver des Jahres 1898 von Zülpich aus die Kampfhandlungen des 8. Armeekorps leitete. Hindenburg äußerte sich damals auch über den Ort der Clodwigschlacht von Zülpich und sagte, daß dieselbe bei der Bade stattgefunden habe. Das alte Wort „Bad“ für Schlacht und Krieg, das auch in der Zusammensetzung Baddo, Badila, Baduhelm, Baduhilt, Badurad usw. vorkommt, habe nach seiner Auffassung dem Schlachtfeld erst den Namen die Bad gegeben. So darf Zülpich im Streit um Meinungen über den Schauplatz der Clodwigschlacht sich auf die Ansicht Hindenburgs berufen.

Nideggen ist das „Streiteck“

In der Bade haben vom Durchzug der Kimbern und Teutonen (103 v. Chr.) und den Kämpfen Cäsars mit den Aduatukern und Eburonen an, die Clodwigschlacht (496 v. Chr.) die fortwährenden Kämpfe zwischen Köln und Jülich, in jedem Jahrhundert Kämpfe stattgefunden. Das an der Nordgrenze der Bade gelegene Nideggen (Nitecka) ist nicht das „Neideck“, sondern das „Streiteck“. „Nit“ bedeutet bis zur Karolingerzeit ebenso oft Streit wie Neid. Die Befestigungsanlage der Bade, die Münzen und Hufeisen weisen ebenfalls auf eine Kampfstätte hin. Bei Grimm, Deutsches Wörterbuch (S. 741) steht „Nied, Niet“ - eifer lust, S. 841: „Niet“ - befestigen. Inwiefern es aber statthaft ist, auf Grund dieser Feststellung das „in Badua“ als Kampfort zu bezeichnen und „Badouwa“ als Kampfaue, kann ich nicht entscheiden. Die Theorie, die Bade ist Kampfstätte, ist meiner Theorie „Die Bade ist das Aduatuca im Lande der Eburonen“ nicht entgegengesetzt. Nideggen ist nach meiner Ueberzeugung nicht ein Neideck, sondern ein Streiteck. Grimm hat (S. 841) folgende Bemerkung „Niet“ (m. n. niete f. mittelhochdeutsch niet, niete für m.f.nd. dat needbrem - befestigen, altn. - schlagen, hämmern.“ Wieviel aber Nideggen und der Badewald mit Kampfhandlungen zu tun habe, folgt aus folgender Aufzählung:

  1. Kimbernzeit (103/102 v. Chr.) Kämpfe des Ambiorix mit den Aduatukern.

  2. Cäsars Generale Cotta und Sabinus (Schlacht von Aduatuca).

  3. In Nideggen: Staatsgefängnis Wilhelm des Zweiten, in das er Alveradis und einen Gefangenen Ritter einsperrte.

  4. Entscheidungskampf (1206) zwischen Philipp von Schwaben und seinem Gegenkönig Otto dem Vierten, der nach Wassenberg floh.

  5. Der Graf von Jülich sperrt den Herzog und Pfalzgrafen Ludwig von Bayern, den er besiegte, in Nideggen ein (1214)

  6. Graf Wilhelm der Vierte von Jülich nimmt den Erzbischof Konrad von Hochstaden gefangen und verwahrt ihn 9 Monate zu Nideggen (1241)

  7. Graf Wilhelm der Fünfte nimmt den Erzbischof Engelbert von Falkenberg nach der Schlacht bei Marienholz gefangen und entläßt ihn erst nach drei Jahren.

  8. Nach der Niederlage der Brabanter führt Wilhelm der Fünfte den Herzog Wenzel v. Brabant und die Ritter von Baar und Serau gefangen auf Nideggen.

  9. Karl der Fünfte erobert Nideggen und verbrennt es.

Bemerkenswert ist, was der englische Militärschriftsteller Rice Holmes über die Folgen der Katastrophe von Aduatuca zu schreiben weiß. (Holmes. Cäsars Feldzüge in Gallien):

  1. Gefährliche Stimmung der belgischen und gallischen Häuptlinge

  2. Ränke des Treverer Führers Indutiomar.

  3. Neuer Angriff auf Ciceros Lager.

  4. Marsch der Gallier gegen das Entsatz-Heer.

  5. Unmittelbare Folge von Cäsars Sieg: Ende der Indutiomar.

  6. Zug Cäsars gegen die Menapier und Treverer.

  7. Zug gegen Ambiorix

  8. Gallische Plünderer bei den Eburonen.

  9. Ueberrumpelung Ciceros durch die Sigamber

Ambiorix, der Nationalheld

Im Jahre 51 v. Chr. brach Cäsar von neuem auf zu einer grauenvollen Verwüstung des ganzen Eburonenreiches. Ambiorix sollte mit seinem ganzen Volke ausgelöscht werden. Cäsar schreibt darüber in seinem gallischen Krieg (Buch VIII, 24 und 25), er habe zwar die Hoffnung aufgegeben, den Flüchtling noch in seine Gewalt zu bekommen, er halte es aber zur Wahrung des eigenen Ansehens für notwendig, das Reich des Ambiorix derart von allen Einwohnern, Siedlungen und Viehherden zu säubern, daß, wenn wirklich noch ein paar Menschen übrig bleiben sollten, Ambiorix wegen des entsetzlichen Unglücks so verhaßt werden müßte, daß er niemals mehr in sein Vaterland zurückkehren könne. In allen Marken des Reiches des Ambiorix sandte Cäsar die Legionen oder Hilfsvölker aus, zu morden, zu brennen und zu rauben. Cäsar verschweigt hier den wahren Grund seines Vorgehens, daß nämlich seine ganze Rheinpolitik auf dem Spiele stand, wenn Ambiorix seinen Sieg bei Aduatuca hätte ausnützen können. Ambiorix ist und bleibt der große Nationalheld, nicht nur in Belgien, sondern auch bei uns. Denn wir leben mitten im Eburonenlande. Die Suche nach seinem Königssitz bei uns geht deshalb weiter und läßt die Historiker nicht zur Ruhe kommen. Im letzten Jahrzehnt tauchten wieder neue Theorien auf, die unbekümmert um die ernsten Forscher bekannten Tatsache, daß die Aduatuca-Frage historisch und philologisch beinahe ausgelaugt ist, neue Theorien aufstellten. Z. B. das „grüne Kloster“ bei Kalterherberg ist Aduatuca oder Dolhain (Dr. Mathar) ist das Kastell. Oder sie erklären wie Dr. Kämmerer (in der Heimatmonatschrift für Maasland, Eifel und Ardennen 1942): „Nach diesem Siege über die Aduatucaer läßt Cäsar am Vorort ihres Landes Aduatuca ein festes Standlager errichten.“ Da die Aduatuker an der Maas wohnten, säßen wir also wieder einmal glücklich an der Maas, lassen die 2000 Sigambrischen Reiter lustig ihr Husaren- und Reiterstückchen an der Maas ausführen. Die zwei letzten im Herbst vorigen Jahres aufgestellten Theorien sind: Aduatuca liegt auf dem Münsterberg bei Kreuzweingarten (Kreis Euskirchen) und Aduatuca liegt bei Honthem (Provinz Holl. Limburg).

Die Ausgrabungen haben inzwischen wieder begonnen - wir berichteten bereits ausführlich darüber. Mögen sie bald neue Aufschlüsse zur Aduatuca-Frage bringen.





Quelle: Dürener Lokal-Anzeiger Nr. 230 vom 2. Oktober 1954
Sammlung Michael Peter Greven, Nideggen, Sammlung wingarden.de, H. Klein, Sammlung Marliese Wintz, Kreuzau
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