Die Caesarmünze vom Badewald
Ein Beitrag zur Frühgeschichte des Euskirchener und Dürener Landes
Von A. Pohl, Blens (Dürener Land)





3. Fortsetzung und Schluß

Ein Dedicant des Lyoner Altares ist der tribunus militum der Leg. I Minervia von Bonn. Er ist Anhänger des Matronenkultus, der nahe beim Badewalde zwischen Embken und Wollersheim (nach Prof. Max Ihm) ein Heiligtum hatte, das noch der Auffindung harrt.

Wie man in Lyon die ara Galliorum errichtete, den Altar für alle Gallier, so erbaute man in Köln die ara Ubiorum, den Ubieraltar, der als Kulturmittelpunkt für ganz Germanien bestimmt sein sollte. Leider haben wir kein Münzbild des Kölner Altares. Prof. Schöttler, Rheinbach, (Programm des Rheinbacher Gymnasiums) sucht den Ubieraltar im Rheinbacher Walde. A. Castenholz in seiner 1941 erschienenen Schrift „Bonn und die Frühgeschichte der Ubier“ auf dem Kreuzberge bei Bonn, wieder andere auf dem Godesberg. Merkwürdig ist dabei, daß sowohl Lyon wie Bonn christliche Märtyrer aufweisen, die sich geweigert hatten, vor dem Staatsaltar zu opfern. Der gerade im Ubierlande und zwar vorzugsweise in der Dürener und Euskirchener Gegend sehr stark verbreitete Matronenkult läßt die Errichtung des Altars für den offiziellen Staatskult gerade für unsere Gegend aus Gründen der Staatsraison als geeignet und gegeben erscheinen. Dieser Altar der Ubier stand aber nicht an den drei vorhin genannten Stellen, sondern in der Stadt der Ubier, in Köln. Leider ist uns das Bild dieses Altares bis heute nicht bekannt. Wir wissen, daß Segimundus, der jugendliche Sohn des Segestes (Bruder des Arminius), der bei Ubier-Altar das Amt eines Priesters innehatte, als Priester des Wodan bezeichnet worden ist (Schwann, „Der Godesberg und die ara Ubiorum.) Diese irrige Meinung kommt daher, daß man annimmt, der Godesberg (= Wodansberg) sei die ara Ubiorum. Der Wortlaut bei Tacitus I 57-59 gibt aber für diese Behauptung keinen Anhalt.

Vergleiche und Beziehungen zwischen unserer Münze und dem Köln-Zülpicher- und Euskirchen-Dürener-Land.

Wie wir im ersten Teil unserer Abhandlung sahen, waren die der römischen Herrschaft unterworfenen Provinzen des Orients schnell bereit, den Kultus des Caesars und der Roma anzunehmen. Die germanischen Völker des Westens aber hatten, auf Grund ihrer eigenen religiösen Vorstellungen, eine natürliche Abneigung dagegen. Weil aber dieser Kultus das wirksamste Mittel war, die römische Kultur zu verbreiten und vor allem geeignet war, das Gefüge des neuen Weltreiches zu festigen, so dürfen wir uns nicht wundern, wenn die neuen Herrscher nach dem Vorbilde von Lyon neue Altäre für den Caesar und die Roma errichteten und auch das niederrheinische Gebiet sich schon bald dem Vorbilde von Lyon anschloß. Und so finden wir etwa im Jahre 9 nach Chr. in Köln, im Lande der Ubier, einen Altar des Augustus und bei demselben eine Festgenossenschaft, die sog. Augustalen. Vielleicht hat Drusus den Ubieraltar eingeweiht. Die Ubier waren ja schon Julius Caesars gute Freunde gewesen und wie Caesar durch die Eroberung Galliens dem römischen Reiche eine große und wichtige Provinz erobert hatte, so wollte Drusus das Land zwischen Rhein und Elbe erobern. Wenn ihm das auch nicht gelang, so saßen doch Tiberius und Germanikus auf dem rechten Rheinufer in ihren Winterlagern und Kastellen und spätestens im Jahre 10 n. Chr. wird der Ubieraltar da gestanden haben und der Cherusker Segimund, der Sohn des Segestes (Bruder des Arminius), war Priester am Ubieraltar. Nach der Katastrophe im Teutoburgerwald hören wir nichts mehr von den Festfeiern am Ubieraltar. Eine Kulturgemeinschaft zu Ehren des Augustus wird auch in Köln und Umgebung, (dazu gehört auch Zülpich und Badua), noch längere Zeit gewesen sein. Beweis dafür ist der im Jahre 352 in Zülpich verstorbene Maselinius Maternus. Dieser hatte außer anderen Aemtern auch den Titel sacerdotalis (CIR 549). Wahrscheinlich war er einer der letzten Priester am Ubieraltar. Hat er oder einer von den Augustalen des Ubierlandes unsere Münze bei einer Pilgerfahrt zu den nahen Kultstätten von Badua geopfert? Ich sage betont: Kultstätten. Denn die Flurnamen von Badua und Gödersheim, die festgestellten Opfersteine daselbst, die vielen Funde von Matronensteinen und Weihesteinen der dea Sunnuxal, alle beim Badewald, reden eine zu deutliche Sprache. Die Linie, die von Köln und Bonn über Zülpich und Badua führt, wird neues Licht in die Frühgeschichte der Nord-Osteifel bringen. Darüber werden wir in späteren Abhandlungen auf Grund der neuen Bodenfunde im Badewalde berichten.

Nachtrag zu den Münzen im Kreise Euskirchen.

  1. Kommern-Keldenich: Am Tanzberg Sibermünzen des Antonius, Antonius Pius, Sept. Sev., Geta, Alex Sev., Julia Paula, Julia Maesa, Julia Mamea. (März 1849)

  2. Zwischen Rheder und Kr.-Weingarten: Febr. 1862: Goldmünze des Vespasian; Trajan Vibius Volusianus, Constanius Chlorus, Constantine und Valentiniane.

  3. Antweiler: Münzen der spätrömischen Kaiserzeit.

  4. Erp: Münzen der spätrömischen Kaiserzeit.

  5. Billig: spätrömische Kaiserzeit.

  6. Enzen: spätrömische Kaiserzeit.

  7. Metternich: Febr. 1935: Mehrere 100 Münzen der Constantine und des Magnentius 350 bis 353); vermutlich zur Zeit der Frankeneinfälle in die Erde gekommen. (Hagen, Bonner Jahrbücher)

  8. Dirmerzheim: As des Kaisers Nero. 1940 gefunden.

  9. Lessenich, Burg Zievel: eine römische Münze, aber vollständig zerfressen - unbestimmbar.

  10. Kalkar: As der Faustina d. älteren als diva mit stehender aeternitas. (Pf. Reinartz).

  11. Münstereifel: spätröm. Kaiserzeit.

Im Landkreis Bonn:

  1. Morenhoven: 1880: 24 Goldmünzen der Constantine und des Magnentius.

Im Kreis Schleiden

  1. Kall: Nov. 1873: Großerz des Kaisers Claudius, gef. in einer alten Halde der Bleigruben am Tanzberge. Ein Beweis dafür, daß schon die Römer die Bleibergwerke bei Kommern betrieben haben.

  2. Eicks: Münzen der Antonine bis Valens.

  3. Nettersheim: Gratian, Hadrian, Trajan, Vitellius, Constantine.

Münzfunde im Dürener Land.

  1. Düren: Kleinerze des Constantinus und Gallienus, 1902: am Scheideweg der Dürener und Girbelsrather Gemarkung (Ausgrabung, Schoop u. de Ball: Münzen des Hadrian, Maximinus, Gallienus, Licinius, der Constantine und Velentiniane).

  2. Elsdorf: 2 durchlochte römische Münzen der spätröm. Kaiserzeit.

  3. Aldenhoven: röm. Münzen der spätröm. Kaiserzeit (Prof. Braun).

  4. Birgel: 1939; 3 Bronzemünzen der Faustina (Mus. Düren).

  5. Golzheim: Sesterz der Faustina? (unkenntlich).

  6. Rommelsheim: Silbermünze des Constantinus II., Bronzemünze des Constantinus II. (Mus. Düren).

  7. Nideggen: 1933: In der Rurschlinge beim Hof Mausauel: ein Denar des Sept. Severus.

Die Münze vom Badewald ist also noch immer die älteste. Eine einzelne Münze kann an sich die Anwesenheit der Römer an der betr. Stelle nicht beweisen und auch keine exakte Deutung eines Fundes liefern. Denn die römischen Münzen sind oft weit über die Grenzen des von den Römern betretenen Gebietes hinausgewandert. Oft ist das einzelne Stück lange in Kurs geblieben, ehe es in den Boden kam. (vergl. Dragendorf). Jedenfalls aber beweisen die vielen römischen Siedlungen in nächster Nähe des Fundortes unsere Münze, daß die Römer „in Badua“ schon sehr frühe saßen. Unsere Münze wurde - wie bereits gesagt - gefunden im Schutt der abgetragenen Wälle von Aduatuca und gelegentlich der Rodungsarbeiten daselbst vom Fuhrwerk des H. Bürgermeister Fischer - Berg vor Nideggen auf dem Rädelsweg gefahren. (Beglaubigt: Bürgermeister Heinr. Fischer)





Quelle: Euskirchener Volksblatt vom 6. November 1942, Stadtarchiv Euskirchen
Sammlung Michael Peter Greven, Nideggen
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