Die Caesarmünze vom Badewald
Ein Beitrag zur Frühgeschichte des Euskirchener und Dürener Landes
Von A. Pohl, Blens (Dürener Land)





1. Fortsetzung

Unsere Münze ist nicht nur für das Euskirchener oder Dürener Land und die Theorie „Aduatuka“, sondern auch staatspolitisch und weltanschaulich von großem Interesse. Sie ist eine Reichskupfermünze des Kaisers Augustus, des Großneffen Julius Caesars und zeigt auf der Vorderseite das charakteristische Profil Caesars mit dem Lorbeerkranz. Die Aufschrift der Vorderseite lautet: C A E S A R. Pont MAX d. h. Pontifex Maximus. Die Rückseite zeigt den Staatsaltar von Lugdunum (d. h. Lyon) in Südgallien mit der Aufschrift: ROM ET AUG = ROMAE ET AUGUSTO (d. h. der Göttin Roma und dem Augustus geweiht).


Caesarmünze, gefunden am 30. Oktober 1941 im Badewald

I. Zur Erklärung der Vorderseite:

Caesar trägt den Lorbeerkranz als Pontifex Maximus, d. h. als oberster Priester von Rom. Im Rom der Könige waren die pontifices eine als Beirat des Königs eingesetzte priesterliche Körperschaft, deren Zahl Caesar auf 16 erhöhte. Sie ordneten den Festkalender und überwachten das religiöse Leben. Es ist lehrreich, zu beobachten, wie Caesar zu dieser Würde schon seit früher Jugend stufenweise emporstieg, wie der Oheim Marius Ende 87 v. Chr. seinen Neffen zum hochwürdigen flamen dialis, d. h. zum Jupiterpriester machte, ein Amt, das an seine Träger besondere Anforderungen des bürgerlichen und sakralen Rechts stellte, und die Zugehörigkeit zum Patriciat erlangte (vergl. Matth. Gelzer, Jul. Caesar, 1941, Calwey, München). Infolgedessen heiratete Caesar die Aristokratin Cornelia, die Tochter des Cinna. Als Sulla wieder siegreich in Rom einzog, verlor der junge Jupiterpriester seine hohe Ehrenstellung und sein Vermögen, weigerte sich aber, sich von seiner Frau zu trennen. Die Fürsprache der Vestalinnen rettete ihn damals vom Tode. Als Mann stand Caesar der überlieferten Religion mit der Freiheit des Aufgeklärten gegenüber. Das hielt ihn aber nicht ab, vor den Augen der Oeffentlichkeit als Pontifex und Pontifex Maximus die theologia civilis, d. h. die Pflichten der Staatsreligion, mit aller gebotenen Sorgfalt zu pflegen. Er wohnte auch, wahrscheinlich bis zu seinem Tode, im Palast des Pont. Max. bei der via sacra und wurde da auch zuerst aufgebahrt. Der Pontifex Maximus hatte die höchste sakrale Würde des römischen Staates. Fühlte Caesar sich vielleicht als römischer Pontifex Maximus, als er die gallischen Heiligtümer, die vom Golde der Weihegaben strotzten, plündern ließ, als er von der Besatzung von Aduatuka sagte: „milites religiones se fecerunt“ d. h. „die Soldaten machten sich abergläubische Vorstellungen“, als er den Kalender verbesserte, als er nach der Schlacht von Pharsalos am 9. August 48 in seinem Bericht auf die Wunder hinwies, die sich an diesem Tage ausgerechnet in den Tempeln von Elis, Antiochien, Ptolemais, Pergamon, Tralles ereignet hätten? Die Asiaten jedenfalls verstanden diese Sprache des römischen Pontifex maximus und errichteten in Ephesus ein Denkmal für „Caius Julius Caesar, den Oberpriester .. den in Erscheinung getretenen Gott!“ Nach der Schlacht von Munda beschloß der Senat, Caesar solle immer zum Tragen des Lorbeerkranzes befugt sein, und seine bisherigen Siegestage sollten durch jährliche Opfer gefeiert werden (Gelzer), seine Elfenbeinstatue solle bei den Circusprozessionen in der Reihe der übrigen Götterbilder mitgeführt werden, eine Statue mit der Inschrift: „Dem unbesiegten Gotte“ solle im Quirinustempel auf dem Capitol im Kreise der Könige aufgestellt werden. Damit war der Herrscherkult in Rom offiziell durch Senats- oder Volksbeschluß eingeführt!

Sein Adoptivsohn, also derjenige, der unsere Münze schlagen ließ, Octavius, wurde zum Pontifex Maximus designiert. Darin lag, wie Gelzer sagt, eine verhüllte Anerkennung der Erbmonarchie. Das war viel, aber noch immer nicht genug für den Ponitfex Maximus: es wurde eifrig beschlossen: für die Schauspiele ein goldener Sessel und ein mit Edelsteinen verzierter Goldkranz. Auf sein Haus ein Giebel, wie ihn die Tempel trugen! In einem eigenen Tempel sollte er als divus, d. h. göttlicher Julius, verehrt werden. Diese „Vergottungsbeschlüsse“ ließ der Senat mit goldenen Buchstaben auf silberne Tafeln eingraben.

Unsere Münze ist gleichsam eine Illustration dieser Beschlüsse. Caesar ließ sich das alles nicht zweimal sagen und das Volk handelte darnach: Man fand die eine Caesarstatue auf der rosta (Rednertribüne) eines Morgens mit dem Diadem geschmückt (diese Herrscherbinde ähnlich dem Kranz auf unserer Münze war seit Alexander dem Großen das Wahrzeichen der hellenistischen Monarchie, und am Lupercalienfeste setzte ihm Markanton ein solches Diadem aufs Haupt). Caesar soll den Lorbeerkranz gerne getragen haben, denn er war frühzeitig gealtert, sein Haupt war kahl geworden, der Lorbeerkranz verdeckte die Glatze.





Quelle: Euskirchener Volksblatt vom 24./25. Oktober 1942, Stadtarchiv Euskirchen
Sammlung Michael Peter Greven, Nideggen
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