Das Aduatuca der Eburonen
Ein Beitrag zur Vor- und Frühgeschichte unserer Heimat besonders der Nord-Osteifel
von Pfarrer Pohl, Lommersum





Der 4. Teil fehlt leider.

5. Fortsetzung

In meiner letzten Abhandlung (Volksblatt 1937, Nr. 139 und Nr. 145) sprach ich über den literarischen Beweis für Badua-Niteka und kam über Cäsarius, Jakobus Polius und Paulus Jovius zu Hindenburg. Es war im Jahre 1898 gelegentlich der Kaisermanöver, als Hindenburg mit seinem Stabe am Clemensstock, der uralten Linde ganz in der Nähe von „Badua“ hielt. Manövertag und Hochsommertag waren heiß. Junge Offiziere des Stabes meinten lachend, es wäre ihnen schon recht, wenn der „Badewald“ seinem Namen Ehre machen und ihnen ein frisches Bad bieten wolle. Hindenburg hörte die Bemerkung und sagte: „Meine Herrn, das verstehen Sie nicht. „Badua“ ist ein altes germanisches Wort und bedeutet Kampf. Hier haben große Kämpfe stattgefunden“. So schildert es ein Major des Generalstabes vor neun Jahren.

Hindenburg kam dann nach Zülpich. Notar Dr. Bigenwald hat im Eifelkalender 1927 anschaulich geschildert, welch tiefen Eindruck die Eifellandschaft auf Hindenburg gemacht hat, als er gelegentlich der Manöver des Jahres 1898 von Zülpich aus die Kampfhandlungen des 8. Armeekorps leitete. (Siehe Eifelvereinsbl. 1934, S. 103, Hindenburg in der Eifel.) Wir lassen nachstehend die Schilderung Dr. Bigenwalds über den Aufenthalt Hindenburgs in der Eifel folgen:

Zülpich nimmt bekanntlich den allerdings nicht unbestrittenen Ruhm für sich in Anspruch, der Schauplatz der berühmten Alemannenschlacht, des entscheidenden Sieges des Frankenkönigs Chlodwig über die Alemannen im Jahre 496 gewesen zu sein.

Hindenburg, der für diese Frage ein lebhaftes Interesse hatte, und die eingehenden Ausführungen des Heimatschriftstellers Gottfried Broix gelesen hatte, nahm auch den zwischen Zülpich und Nideggen bei Wollersheim und Embken gelegenen Schauplatz der Chlodwigschlacht in Augenschein. Das Kriegslager Chlodwigs, das nach den mündlichen Überlieferungen in den Wiesen zwischen Embken und Ginnick gewesen sein soll, verlegte der erfahrene Stratege auf die entgegengesetzte, weil geschütztere Seite. In Bezug auf den Namen „Martertal“, eine Flurbezeichnung des Wollersheimer Waldes, bemerkte er, daß dieses Wort für das, was es bezeichne, gerade in jene blutige Zeit passe. Damals sei man nämlich nicht so human mit den Kriegsgefangenen umgegangen wie später, sondern man habe sie auf sehr grausame Weise niedergemacht. Auch äußerte Hindenburg, daß der Name des Wollersheimer Waldes „Die Bad“ zweifellos auf eine dort stattgefundene große Schlacht hindeute. Das alte Wort „Bad“ für Schlacht und Krieg, das auch in den Zusammensetzungen Baddo, Badila, Batuhelm, Baduhilt, Baturad usw. vorkommt, habe nach seiner Auffassung dem Schlachtfeld, der sich ehemals bis Zülpich erstreckenden Wollersheimer Heide, erst den Namen „Die Bad“ gegeben. So darf Zülpich im Streit der Meinungen über den Schauplatz der Chlodwigschlacht sich auf die Ansicht Hindenburgs berufen ...“

Vorstehende Ausführungen sind ein Beweis für die außerordentlich wichtige strategische Lage von „Badua und Niteca“, die ich in meinen früheren Abhandlungen immer wieder betont habe. Sie sind aber kein Beweis dafür, daß „die Bad“ erst durch die Chlodwigschlacht diesen Namen bekommen habe. Dagegen steht schon Cäsarius, der ausdrücklich schreibt, daß „in Badua“ eine alte Kampfstätte ist.

Ein „Wald“ Badua wird weder bei Cäsar noch bei Cäsarius genannt. Ferner: die Wollersheimer „Heide“ ist etwas ganz anderes, als der „Wollersheimer Wald“ und der „Embkener Wald“ (siehe Meßtischblatt 456, Euskirchen). Zwischen der Wollersheimer „Heide“ und dem Distrikt, der „die Bade“ heißt, liegt zunächst das Dorf Wollersheim, dann folgt der oft genannte murus omnino collis Caesars, d. h. der „Hügelrücken“, dann erst kommt der Wollersheimer Wald, der durchaus nicht in allen seinen Teilen „die Bade“ heißt. Und dann folgt zuletzt die Flurbezeichnung „die Bade“, das heißt die Stätte, wo die Wallburg, das Lager Cäsars und die kimbrischen „Guts- oder Schutzwache“ liegen. Interessantes wäre hier noch zu sagen über die deae und Matronae „Baduhennae“. Darüber Näheres in der Broschüre, die ich demnächst über das „Aduatuka der Eburonen“ veröffentlichen werde.

Folkloristisches (= Volkskundliches) über Badua-Niteka

Mein Landsmann, Professor Dr. Baron Wilhelm von Capitaine schreibt in der Einleitung zu Heinrich Hoffmann „Zur Volkskunde des Jülicher Landes“ Seite 8 folgendes: „In fast allen Sagen steckt ein gut Stück Geschichte, Personen und Orte oder Ereignisse werden sagenhaft. Hat einmal ein bedeutender Mann sich gezeigt, so hat er gleich alles Gute und Tüchtige getan, was es in der ganzen Gegend gibt. In Zülpich, wo im „Martertal“ (siehe oben!) Chlodwig die berühmte Schlacht geschlagen, läßt die neuere Sage Napoleon, von Rußland fliehend, seinen Feinden in einem furchtbaren Kampfe erliegen! Der „starke Helmes“ von Jülich, der zuerst auf dem Schlosse Niteka genannt wird, soll dem „Schmied von Aachen“ die Hufeisen zerbrochen haben, wofür ihm dieser sein Geld zerbrochen vor die Füße warf. Dasselbe erzählt man von Moritz von Sachsen! Wir kennen die weltbekannten „Glocken von Vineta“. Was sind das für Glocken, die man „in der Bad“ aus dem Boden zog? „Die künftige Wissenschaft darf sich aus der einstigen Bedeutung der Sagen noch manche geschichtliche Kunde und manch neue Entdeckung versprechen.“



Heinrich Hoffmann sagt in seiner Einführung zum zweiten Bande seiner „Volkskunde des Jülicher Landes“: „Mit Recht hat schon Grimm in der Vorrede seiner Mythologie darauf hingewiesen, daß das Kleinste auch das Größte mit erweisen kann.“ Im oberen Rurtale und zwar auffallenderweise gegenüber „Badua“ und in der „magna convallis“ von Abenden finden wir in den Volkssagen immer wieder das „Wodes- oder Wuthesheer“ und das „Mittagsgespenst.“ H. Hoffmann schildert in seinen „Sagen aus dem Rurgebiet“, Seite 16, die „Stadt Badua“ folgendermaßen: Zwischen den Orten Hausen und Berg, Wollersheim und Vlatten dehnt sich ein Wald aus, „die Bad“ genannt. An Stelle des Waldes lag in uralter Zeit die Stadt Badua, von der noch zahlreiche Fundamente und andere Baureste zeugen. Nördlich von dieser Stadt floß ein großer Strom, der Neffelstrom, der jetzt ein kleiner Bach ist. Einst näherte sich fremdes Kriegsvolk in gewaltigen Scharen der Stadt, um sie zu zerstören. Der Feldherr fragte ein des Weges kommendes Bäuerlein, wie breit der Strom sei. Er antwortete: „Er ist weder zu durchreiten, noch zu durchfahren.“ Da stand der Feldherr von seinem Plane ab und beschloß mit seinen Truppen weiterzuziehen“. Ich führe dazu an: Vergl. Cäsar Buch 6, Kap. 35-41. „So war die Stadt gerettet.“

Eines Tages verschwand die Stadt völlig vom Erdboden. Einige sagen, sie sei zur Zeit der Völkerwanderung zerstört worden, andere behaupteten, sie sei versunken. Diese weisen nämlich auf die vielen Vertiefungen hin, die früher mit Wasser gefüllt waren, in denen die Gebäude versunken sein sollen.

Was war das für ein Feldherr? Was sind das für „Vertiefungen“. Ich weise für jetzt kurz hin auf meine früheren Abhandlungen über das Kimbrische Wohngrubensystem. Ich füge an dieser Stelle hinzu, daß man die Behauptung aufgestellt hat, die Gruben seien nichts anderes als „Mirgelgruben“, aus denen man den Stoff zum früher üblichen Mirgeln der Felder geholt habe.

Ich erwidere darauf Folgendes:

1. Die Gruben liegen, mit verschwindenden Ausnahmen, nicht im Mirgel. Neunzig Prozent derselben liegen außerhalb des kalkhaltigen Geländes. Dieses zieht sich mehr nordöstlich in der Linie Breitelsberg, Kreuzberg, Krahenberg, Pützberg hin.

2. Es ist noch festzustellen, daß die ausgehobene Erde um die Gruben ausgebreitet und geebnet wurde.

3. Wenn gemirgelt wurde, dann wurde der Mirgel daher geholt, wo er am nächsten zum Ackerfeld lag. Die Gruben in Badua aber liegen fern von den alten Ackerfeldern und weit ab von Weg und Steg.

Herr Bürgermeister, Heinrich Fischer, Berg vor Nideggen, teilte mir weiter mit, daß vor ca. 100 Jahren gemirgelt wurde, aber bei den damaligen Ackerfeldern und wohin ein fahrbarer Weg führte. Die Verschiedenartigkeit des Bodens beweist überdies, daß die Gruben zu gewerblichen Zwecken auch nicht angelegt worden sind. Steinbrüche kommen gar nicht in Frage weil Steinmaterial in Badua kaum vorkommt. An dieser Stelle weise ich nochmals hin auf die in einer Grube gefundenen Spinnwirtel aus Stein und Reste von Pflasterung.

Ich komme zurück zur Folklore von Badua-Niteka. Der Oheim des oben genannten Herrn Bürgermeisters Fischer, der † Pfarrer Fischer von Ouren (er wurde mehrmals in meinen Abhandlungen erwähnt und hat, wie ich nachträglich feststelle, auch die Stelle aus Paulus Jopius gekannt!) erzählt folgendes: Ich habe an einem Morgen zur Sommerzeit mit meinen Augen eine Erscheinung gesehen, die in der Gegend oft zu sehen ist. Aus dem Boden (es handelt sich um die Stelle etwa, wo Cotta und Sabinus von der Eisenstraße aus in die verhängnisvolle Schlucht von Abenden hinabzogen), der mit Hafer besät war, erhob sich eine Gestalt, ich möchte sagen eine menschliche, aber von übergewöhnlicher Größe, die ziemlich, wohl 2-3 Meter in der Luft über dem Hafer emporschwebte, mit einem Gewande von allerlei Farbe, die gelbe war aber hervorstechend. Sie machte außergewöhnliche Bewegungen - es war kein Wind, sank dann wieder, verschwand gänzlich, tauchte dann aber wieder auf mit den nämlichen noch stärkeren Gestikulationen. Das geschah dreimal.

Diese übergroße Gestalt mit fliegenden gelblichen Leinengewändern und heftigen, zum Kampfe anfeuernden Gebärden, ist kein anderer als der große Eburonenkönig Ambiorix, der am Eingang zur Magna convallis, wo er den großen Sieg errang, einsamen Wanderern erscheint. - Siehe Cäs. Bell. Gall. Buch 5. Kap. 34-36.

(Fortsetzung folgt)





Quelle: Euskirchener Volksblatt Nr. 131 vom 11. Juni 1938
Sammlung Michael Peter Greven, Nideggen, Sammlung wingarden.de H. Klein
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